Broken Flowers

Broken Flowers…und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Bill, Weihrauch und Murray. [Matthäus 2.1.]

Verdient ‘Broken Flowers’ all die Vorschullorbeeren, die er von der nationalen und internationalen Presse bekommen hatte? Da so ziemlich alle mehr oder weniger einschlägigen Kritiken Jim Jarmusch’s neuestes Werk feierten, musste man geradezu misstrauisch werden. Es war zu befürchten, dass der Film in dem Masse langweilig ist, wie er als ‘Meisterwerk’ und ‘bester Film des Jahres’, ‘minimalistische Ode an die Lethargie’ oder ähnliches gelobhudelt wurde. Dass Bill Murray in der Rolle als ebenso knurriger wie liebevoller Stenz (was auch immer das bedeutet, aber schliesslich gab’s auch mal einen Ghostbuster, der so genannt wurde, darum scheint mir die Bezeichnung mehr als passend) einfach nur glänzen kann, wissen wir schon seit ‘Lost in Translation’ und ‘The Life Aquatic’. Zum Glück funktioniert dieses Rezept erneut in ‘Broken Flowers’ und man glaubt Jim Jarmusch, wenn er behauptet, er habe die Rolle Murray auf den Leib geschrieben.

Entgegen meinen Befürchtungen vergingen die mehr als eineinhalb Stunden Film wie im Flug, und obwohl ich mich ab und zu auf andere Streifen vergleichbarer Länge besinnte und ich daran denken musste, was man in dieser Zeit alles in die Luft sprengen könnte, wird mir der Film in guter Erinnerung bleiben. – Muss er ja auch; es macht sich ja immer gut, zu sagen, man hätte den letzten Jim Jarmusch gesehen und gemocht.

Allzu viel passieren tut auf Don Johnston’s Road Trip in die Vergangenheit zwar nicht, doch die mitunter episodenhaft anmutende Montage mit sich wiederholenden Motiven schafft es, die Aufmerksamkeit auf den Film zurückzubringen, wenn die Kamera halt doch mal einen Moment zu lange auf einem stummen, gelangweilten Bill Murray geblieben ist und der stille Minimalismus halt doch einer gewissen Langatmigkeit weicht.
Obwohl ‘Broken Flowers’ keinesfalls als unterkühlt zu bezeichnen ist, passt die ruhige Hommage an ‘Bill Murrays’ minimalistisches Spiel (warum hat das eigentlich nie jemand über Silvester Stallone oder Steven Seagal geschrieben, zumindest nicht als Kompliment?) zur herbstlichen Jahreszeit, ich glaube man nennt sie ‘Herbst’, wie die Faust aufs Auge. Gegen Ende wird der Film fast philosophisch und trotz eines an sich unbefriedigendem Ende lässt der Film ein gutes Gefühl zurück, was wiederum halt doch wieder geradewegs auf Bill Murrays Performance zurückzuführen ist.

Über die Qualität von ‘Broken Flowers’ lässt sich streiten, aber zumindest mir hat der Film gezeigt, dass es trotz aller anders lautenden Befürchtungen auch Streifen abseits des Mainstream – Kinos gibt, die auf ihre eigene Art und Weise überzeugen können. Und ist dies schlussendlich nicht das einzige, was uns das Kino in der heutigen sonst doch so lauten, unsteten und auf Kommerz ausgerichteten Welt überhaupt noch bieten kann? NEIN! Und der 14. Dezember wird es mit dem Start von ‘King Kong’ beweisen.

Archives | First published Nov 23, 2005

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