Lost in Translation

Lost in TranslationA long time ago ist´s schon her seit meiner letzten Kritik. Doch, doch, ich war schon im Kino, nur bin ich nicht dazu gekommen zu jedem Film meinen Kommentar abzugeben. Darum hier nur ein kleiner Nachschub eines wirklich sehenswerten Films: ´Lost in Translation´.
Ich weiss nicht genau warum, aber Bill Murray wirkt einfach saumässig sympathisch. Obwohl ich ihn seit Jahren in keinem Kinofilm mehr gesehen habe (ausser in ´Charlie´s Angels´), schafft er es im Handumdrehen, seine Figur eines gealterten Schauspielers glaubwürdig und vor allem unglaublich komisch zu etablieren. Es scheint, als seien seit Ghostbusters-Zeiten keine zwei Jahre vergangen.
Die kulturellen Unterschiede zwischen Westen und Osten werden sorgfältig gezeigt und ohne zu übertreiben wirken die meisten Gags gerade dadurch, dass sie sich tatsächlich so abgespielt haben könnten.
Noch ein Wort zur weiblichen Hauptdarstellerin: Lange habe ich im Kino herumgegrübelt, wie diese Schauspielerin denn heisst (Ich hab nicht so genau aufgepasst beim Vorspann). Dann ist es mir endlich in den Sinn gekommen: Dominique Swain! Doch hoppla, da hatte ich mich gewaltig getäuscht. Es handelt sich in Wirklichkeit um Scarlett Johansson. Aber ähnlich sehen tun sich die beiden doch wirklich, oder lieg ich da völlig falsch?
So, bevor ich noch weiter in die Abgründe des semantischen Verfalls vordringe, mach ich Schluss mit dieser Kritik und warte auf bessere Zeiten.

Paycheck

PaycheckTrotz allen Mühen, die ich im Moment verspüre, eine vernünftige Kritik zu schreiben, versuche ich es nochmal. Es wird doch wohl möglich sein, über ´Paycheck´ einen ansprechenden Verriss zu schreiben?!
Es tut mir ja wirklich leid. Ich mochte ´Broken Arrow´, ich liebte ´Face/off´ und über ´Bullet in the Head´ kann ich wirklich nichts schlechtes schreiben, da ich ihn nie gesehen habe. Aber ´Paycheck´ konnte mich nun wirklich nicht überzeugen. Bei Zeitreisegeschichten und ähnlichem werde ich sonst immer schwach, aber im Vergleich zu ´Paycheck´ war Bill and Ted´s excellent Journey´ geradezu grosses Kino.
Ich muss zugeben, dass auch ich bei ´Face/off´ das Gefühl bekam, dass John Woo ein begabter Choreograph von Actionszenen ist, der aus eigentlich simplen Plots etwas spezielles zaubern kann, wenn man ihm nur genug Zeitlupeneinstellungen und einen gefüllten Taubenschlag zur Verfügung stellt.
Wenigstens die Tauben benutzte er auch in ´Paycheck´ wieder, doch damit hat´s sich auch schon. Die Zeitreisestory an sich wäre ja interessant, doch die filmische Umsetzung dreht sich ständig im Kreis und sinkt bis zum Ende des Filmes auf ein gutes Mittelmass hinunter.
Noch so ein Opfer seines eigenen Erfolges scheint mir Ben Affleck zu sein: Seit er mit JLo zusammen war, kommt mir immer, wenn ich ihn auf der Leinwand sehe, dieses schreckliche Bild aus der Loreal-Werbung mit Affleck in den Sinn und ich bringe es einfach nicht mehr aus meinem Kopf. Sein filmisches Werk fand ich bis zu einem gewissen Punkt respektabel. So lange er nicht ganz ernst gemeinte Komödien oder ambitionierte Autorenfilme drehte fand ich´s ganz ok. Doch seit er diesen ganzen Hollywood Glamour ausdünsted, kann ich ihn nicht mehr ernst nehmen. Vor kurzem sah ich ´Jay and Silent Bob strike back´, in dem Ben Affleck u.a. sich selber verkörperte. Das war wirklich lustig!
In ´Paycheck´ kommt er leider nicht an die Coolness eines John Travolta oder Nic Cage heran. Darum kann auch der Hauptdarsteller die Karre nicht aus dem Dreck des Mittelmasses ziehen.
Bleibt zu hoffen, dass a) Ben Affleck bald wieder ein Projekt zusammen Kevin Smith verwirklicht (wohl nicht sehr wahrscheinlich) und b) John Woo einen Werbespot für ´Kentucky Fried Chicken´ dreht. Der könnte dann laufen unter dem Namen ´Poulet in the Head´.

The Matrix – Revolutions

The Matrix - RevolutionsEverything that has a Beginning has an End – Leider. Irgendwie habe ich mich bereits an das halbjähriliche Matrix – Spektakel gewöhnt. Dummerweise suchte ich genau dieses ´End´ in ´The Matrix – Revolutions´ vergeblich. Jedenfalls das Ende, das ich mir vorgestellt hatte. ´The Matrix´ hat sich so weit in seine eigene mystische Welt hineinstilisiert, dass die Auflösung der diversen Anspielungen, Rätsel und Handlungssträngen nur enttäuschen konnte. Ähnlich wie man sich beim Horrorfilm bei der gruseligen Szene die Augen schliesst und die eigene Fantasie dabei so schreckliche Bilder produziert, wie sie nie auf die Leinwand gebracht werden könnten. So gesehen ist es wahrscheinlich sogar besser, dass die meisten Fragen unbeantwortet blieben. Leider erscheint ´Reloaded´ damit im Nachhinein als Mogelpackung, die viel mehr verspricht und and Mystik aufbaut, als schlussendlich vorhanden ist. Als ganzes ist ´Revolutions´ sicher nicht der beste der drei Filme, und als eigenständiger Film könnte er sowieso nicht bestehen.
ABER: Was die Action und Spannung angeht, habe ich selten so etwas energiegeladenes gesehen. Zumal ich nach ´Reloaded´ eine enorm hohe Erwartung an die Fortsetzung hatte. Was visuelle Ideen und Effekte angeht, übertrifft ´Revolutions´ seine Vorgänger, man könnte fast von einem Overkill sprechen. Mich auf jeden Fall hat es in den Kinosessel gedrückt und trotzdem wollte ich mehr und noch mehr. Was ich dann auch bekam: Der eigentliche Showdown erstreckte sich über fast zwei drittel des Filmes. Natürlich ist ´Revolutions´ auch visuell wieder ein Genuss: Obwohl man das CGI förmlich riecht, würde ich mir jedes Frame des Films an die Wand hängen. Leider wird´s dann gegen Ende etwas kitschig – das hätte ich nun doch nicht erwartet. Es schien so, als würde man die Reihe gezwungenermassen zu einem Ende bringen. Verglichen mit dem Ideenreichtum und Anspruch, mit denen sich das Matrix – Universum auszeichnet, passt dieses Ende so gar nicht dazu.
Nichtsdestotrotz (wer hat eigentlich dieses Wort erfunden, tönt wie der Evil Twin von Nostradamus) – Als Fan fühlt man sich bei ´Revolutions´ zu Hause und, sein wir ehrlich, wenn man ´Reloaded´ gesehen hat, muss man nun einfach auch in diesen Film gehen – inevitable! [November 6. 2003]
PS: Hier noch ein Tipp: Falls Ihr eine wirklich gelungene Kritik zu ´The Matrix – Revolutions´ und anderen Filmen lesen wollt, klickt zur kultigen Ain´t it cool News Website!

Intolerable Cruelty

Intolerable CrueltyGeorge Clooney zeigt die Zähne: Was in ´O brother where are thou?´ die Schmiere in George Clooney´s Haar war, ist hier sein herrlich irres Grinsen. Und meiner Meinung nach auch das Lustigste im ganzen Film. Meine Empfehlung: Sehen, sofort wieder vergessen und ´The Big Lebowski´ oder ´Fargo´ zur Schadensbegrenzung reinziehen.

Freddy vs. Jason

Freddy vs. JasonIch gebe zu, ich bin kein wirklicher Fan dieses Genres. Und über Jason Vorhees habe ich noch keinen Film gesehen. Aber trotzdem: Lasst die Finger davon. Dieser Film ist weder gruselig noch lustig. Und wenn ich was blutiges sehen will, geh ich nochmal in ´Kill Bill Vol.1´.

Bad Boys II

Bad Boys 2Oh yeah! Endlich hat das lange Warten ein Ende. ´Bad Boys II´ ist der kompromissloseste (Mainstream-) Actionkracher seit Jahren. Lange dachte ich, dieses High End Actiongenre sei irgendwo zwischen 09/11 und Wirtschaftskrise unwiderruflich verloren gegangen. Dieser Film beweist das Gegenteil. Michael Bay und Jerry Bruckheimer liefern denselben hirnlosen Entertainment Mix, den man schon aus ´The Rock´ oder ´Armageddon´ kennt… und das ist gut so. Dabei spielt die Handlung nicht wirklich eine Rolle, die wilden Kamerafahrten und Zitate (Michael Bay klaut immer noch am liebsten bei sich selber) lassen aber darüber hinwegsehen, schliesslich ist das ein Bruckheimer-Film und wer hier Anspruch und Feingeist erwartet, ist selber schuld. Zugegebenermassen gehts´s zeitweise ziemlich grob zur Sache und sogar ich fragte mich, ob´s denn gleich so deftig sein muss… Ich denke ja. Nebenbei gibt´s reichlich zu lachen, was vor allem Will Smith und Martin Lawrence zu verdanken ist. Obwohl ´Bad Boys II´ sauteuer und technisch hochprofessionell daherkommt, nimmt der Film sich nicht zu ernst, was das ganze wahrscheinlich auch erst erträglich macht. Obwohl der Film eine gewisse Überlänge aufweist (146´), wird´s dabei nicht langweilig – im Gegenteil: Gegen Ende des Films, wenn der Schauplatz von Miami nach Kuba wechselt, hatte ich das Gefühl ich bekomme einen zweiten Film als Zugabe gratis dazu. ´Bad Boys II´ ist Kinovergnügen pur, wenigstens für alle, die sich noch mit solchem “Schund” anfreunden können. Alle anderen, die sich an den groben unnötigen Gewaltdarstellungen brüskieren, können ja darauf hoffen, dass nun bald ein anderer Wind in Hollywood weht, der solche Actionorgien per Gesetz verunmöglichen wird: Der neue Gouverneur von Kalifornien, A. Schwarzenegger wird schon dafür sorgen.

The League of Extraordinary Gentleman

The League of Extraordinary GentlemanDie Idee, literarische Figuren in einer Geschichte zusammenzubringen und sie mit vereinten Kräften gegen das Böse kämpfen zu lassen, finde ich interessant. So genannte Crossovers sind in Comics schon länger die Regel (spätestens seit die einzelnen Verlage und Titel nicht mehr genug Zugkraft hatten, um eine breite Leserschaft an sich binden zu können) und auch im Kino wird man wahrscheinlich in Zukunft einige solcher Mischungen finden (´Alien vs. Predator´, ´Freddy vs. Jason´). Im Falle der ´The League´ wirkt leider der ganze Film wie ein Patchwork von Einzelteilen, die nicht ganz zusammenpassen wollen. Die Story weist keinen signifikanten Höhepunkt auf, und es ldsst sich kein nennenserter Spannungsbogen erkennen. Actionszene ist an Actionszene gereiht, und das ganze kommt ziemlich unmotiviert daher. Dabei scheint wirklich guter Wille vorhanden gewesen zu sein: Viele nette Ideen, detailreiche Ausstattung und solide Special Effects, und es wird sogar versucht, sämtlichen Hauptcharakteren Tiefe zu verleihen, was einem als Zuschauer aber irgendwie gar nicht interessiert. Story, Schauspieler, Dramaturgie, Musik und Special-Effects sind allesamt respektabel, laufen aber alle wie ihren eigenen Spuren, ohne mit den anderen Elementen ein homogenes Ganzes zu bilden. Im Falle von ´The League´ sind die Einzelteile mehr als die Summe derselben. Leider. Das ganze hätte ein respektables Fantasy-Abenteuer werden können, scheiterte aber leider am Versuch, einen ernsthaften, eigenständigen Film zu liefern. In diesem Fall ziehe ich Franchise-Ware wie die Verfilmungen von Marvel Comics oder die ´Matrix´ Episoden diesem Versuch, etwas relativ neues zu liefern, vor. Insbesondere, da praktisch jede Szene in ´The League´ an Versatzstücke anderer Filme erinnert: ´Indiana Jones´, ´Batman´, ´Hunt for the Red October´, ´Out of Africa´, ´Jenseits von Afrika´, ´Memories of an Invisible Man´. Fazit: Obwohl der Film prima unterhält, kann ich ihn nicht wirklich ernst nehmen. Die eigentlich schönen Effekte täuschen nicht darüber hinweg, dass der Film irgendwie lieblos daherkommt. Zumindest langweilte man sich nicht bei diesem Film…ausser Sean Connery, dem es wahrscheinlich auch langsam zum Halse raus hängt, seit Jahren dieselbe Rolle in verschiedenen Filmen zu spielen.

Identity

Identity´Benny´s World of Blood´. So wurde in ´From Dusk till Dawn´ der Liquor Shop von Pete Bottoms (verkörpert von John Hawkes) genannt. Dieselbe Bezeichnung würde auch treffend zum Motel passen, das Larry (gespielt von John Hawkes) in ´Identity´ leitet. Viel mehr möchte ich gar nicht |über den Plot dieses grandiosen Thrillers verraten. Gesagt sei nur so viel: Die Handlung entwickelt sich meist so, wie man es erwartet, nur eben nicht ganz; und wenn doch, dann kommt´s noch dicker als man es sich vorgestellt hat. Dies macht den Reiz von ´Identity´ aus. Souverän wird mit den Erwartungen der Zuschauer gespielt. Man ist sich ja schon so einiges gewohnt, wenn es darum geht, sich im Kino verwirren zu lassen (´The 6th Sense´, ´Fight Club´, ´The Others´ oder das unglaubliche Werk ´Basic´ sind nur einige, die ich hier nennen möchte). Trotzdem gelingt es James Mangold immer wieder, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Obwohl ich genau das erwartet und erhofft hatte, wurde ich immer wieder auf´s neue |überrascht, ohne den Überblick über die Story zu verlieren. (Nochmals einen Gruss an ´Basic´). Die clevere Story wird durch eine herrlich düster-verregnete Atmosphäre in ihrer Spannung noch verstärkt und die eher zurückhaltende, aber gekonnte Darbietung (so zurückhaltend man zumindest z.B. das Ersticken an einem Sportgerät spielen kann) sämtlicher Hauptakteure verunmöglicht es weitgehend, zu erahnen, wer überlebt und wer nicht. (Ich weiss, ich weiss, beim erwähnten ´The 6th Sense´ hat das Überraschungsmoment auch anders herum funktioniert.) Die Tüpfelchen auf dem o sind die interessanten Rückblende-Montagen am Anfang und der ansatzweise parallele Verlauf zweier Handlungen. So was kommt bei mir immer gut an. Wer also auf spannende, ansprechend inszenierte Thriller steht oder wissen möchte, ob es John Hawkes in diesem Film besser ergeht als in ´From Dusk till Dawn´ sollte ´Identity´ auf keinen Fall verpassen! P.S.: Bis jetzt habe ich in allen Kritiken |über ´Identity´ drei Wörter gelesen, die anscheinend in keiner Bewertung |über diesen Film fehlen dürfen. Da ich noch einiges von professionellen Kritikern lernen kann, vervollständige ich mein Statement mit dem betreffenden Begriff: ´Zehn kleine Negerlein´. P.P.S.: Obwohl ich mich über Post freuen würde, möchte ich anfügen, dass ich mir bewusst bin, dass Agatha Christie´s Roman ´Zehn kleine Negerlein´ neuerdings politisch korrekt unter dem Namen ´…da waren´s nur noch Neun.´ erscheint.

Pirates of the Carribean

Pirates of the CaribbeanEndlich wieder mal eine Jerry Bruckheimer Produktion, die mich nicht gänzlich enttäuschte. Unterhaltung pur eben. Obwohl mich das ganze Piratenzeugs nicht sonderlich ansprach, überzeugte mich der Film als ganzes: Durchgestylt bis zum hintersten Smutje, Musik wie in ´The Rock´ (und ich meine wirklich genau so wie in ´The Rock´) und so üppig ausgestattet wie eine Aufführung von ´Lord of the Dance´ (Wahrscheinlich hinkt dieser Vergleich, ich hab ´Lord of the Dance´ nie gesehen). Doch was den Film wirklich sehenswert macht ist – natürlich – Johnny Depp, der selbstironisch und immer irgendwie verwirrt eine grandiose oder zumindest wahnsinnig unterhaltende Leistung bringt. Im übrigen fand ich die Stimme von Orlando Bloom faszinierend: immer irgendwie ausser Atem und dramatisch. Zusammen mit seinem Ausdruck in den Augen hat das irgendwas hypnotisches, was mich mit einer Frage im Hinterkopf im Kinosaal zurückliess: “Wann läuft ´The Return of the King´ schon wieder in unseren Kinos an?