Cinderella Man

Cinderella ManSee you later Gladiator

Warum eigentlich wirken auf mich gute Sportfilme meist viel emotionaler als die nächstbeste Liebeskomödie mit Meg Ryan oder Richard Gere? An meinem Y Chromosom, von dem man sagt, dass es alle Männer zu sonntäglichen, biersaufenden Couchpotatoes macht, alleine kanns nicht liegen, denn mal von Sportfilmen abgesehen, interessiere ich mich prinzipiell nicht für Sport, zumindest nicht, wenn andere ihn ausüben. Es braucht normalerweise schon einen Torwart, der es gleich zweimal hintereinander auf die Blick-Titelseite schafft, bis auch ich mich ganz langsam für die Niederungen des Sportjournalismus zu interessieren beginne.
Aber sein wir ehrlich, die meisten Sportfilme weisen ja im Grunde dasselbe dramaturgische Muster auf: Einführung, Aufstieg, Fall, Endkampf, und der Triumph oder die heroische Niederlage zum Schluss. Dazu ein feiner Soundtrack und man kann eigentlich nichts falsch machen. Ob Baseball, Football, Eishockey oder eben Boxen. Perlen wie ´Rocky´, ´Jerry Maguire´ oder ´Any Given Sunday´ drücken da meist pathetisch aber gehörig auf die Tränendrüse. Sogar mittelmässige Filme wie ´Mighty Ducks´ oder ´Mystery Alaska´ vermögen einen irgendwie zu berühren, zwar meist nicht durch den sportlichen Inhalt, sondern durch Themen wie Freundschaft, Ehre, Rache, Stehvermögen, Vertrauen, usw.

Etwas weniger bärtig als in ´Mystery Alaska´ versucht nun Russel Crowe erneut, unsere Herzen mit einer Geschichte über Liebe, Hoffnung, Niederlage und Sieg zu erwärmen. Herausgekommen ist dabei ein extrem behäbiger Boxfilm, der in Sachen Gemächlichkeit und Lethargie den Vergleich mit ´Million Dollar Baby´ nicht zu scheuen braucht. Ich weiss, ich weiss, es ist wahrscheinlich nicht ganz korrekt, den Film als Boxfilm zu bezeichnen, und nur gegen Ende des Filmes entspricht ´Cinderella Man´ meiner oben genannten Definition eines Sportfilms. Der Film schlägt eher erneut in die Bresche des gleichsam spannenden und rührenden Biopic, die Ron Howard und Russel Crowe mit ´A Beautiful Mind´ geschlagen haben. Nur leider erreicht ´Cinderella Man´ zu keiner Zeit die Qualität seines Vorgängers in spe. Vielleicht wirkt der Hintergrund der grossen Depression in Amerika doch etwas zu kühl, oder die Geschichte um den Untergang und Aufstieg von James Braddock gibt zu wenig her. Umso mehr darum, da seine Bedeutung als ´Held der Arbeit´, der den Menschen während einer schwierigen Zeit Hoffnung gegeben hat, leider nur marginal behandelt wird. Da wirkte der durch den Central Park joggende Rocky Balboa, der die Massen hinter sich versammelte um einiges überzeugender.

Einige schön fotografierte Bilder und ein zugegeben gelungener Endkampf sind die Highlights des Films, doch bei über zwei Stunden Filmlänge ist das doch etwas zu wenig. Mein heimlicher Star des Films ist übrigens der böse Zwillingsbruder von Clive Owen, Craig Bierko, der die wohl sehenswerteste Nemesis gibt seit Daniel Day-Lewis als Bill The Butcher.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *