Elizabethtown

ElizabethtownWie sagt man Orlando Bloom ohne ´O´?

Da schreibt man sich Tag für Tag um Kopf und Kragen, um ja kein Missverständnis aufkommen zu lassen, dass jedes Erzeugnis, das auch nur am Ansatz an diese zuckersüssen Ergüsse von Rosamunde Pilcher oder Barbara Cartland erinnert, mit absoluter Verachtung zu bestrafen sei, und dann findet sich man sich diese Woche gleich zwei Mal vor einem solchen diabetanischen Geschichtchen:
Zu Beginn der Woche lief ´Dogville´ im TV, Lars von Trier´s erster Teil seiner ´Amerika´-Trilogie und Vorgänger vom aktuellen ´Manderlay´ und im Kino Cameron Crowe´s ´Elizabethtown´ (oder wie ich immer wieder gerne an der Kinokasse zu stammeln pflege: ´Elithabeztown´ oder ´Elithabethtown´ oder eben ´Elithabeththownth´). Zugegebenermassen hinkt der Vergleich zwischen ´Dogville´ und einem Rosamunde Pilcher Roman und ziemlich sicher ist es auch falsch ´Elizabestown´ über die gleiche Kante wie die britische Kitschschleuder zu brechen.

Ich dachte nur, ´Town´ und ´Ville´, da lässt sich doch bestimmt eine Verbindung erzwingen, und falls es je einen Film namens ´Elizabeth´s Dog´ geben wird, werde ich der erste sein, der auch dazu wieder eine Verbindung konstruieren wird, und sei ´Elizabeth´s Dog´ auch John Carpenter´s nächster Thriller mit Tilda Swinton und Dwayne ´The Rock´ Johnson in ihren ersten Rollen als unglücklich verliebtes Stachelbeerstrauchpärchen. Ich bleibe dran.

´Elisathebtown´ auf jeden Fall enttäuschte mich nicht, obwohl ich aus dem Getuschel einiger Mitbesucherinnen in den hinteren Rängen erfahren musste, dass dies ja ein ´Frauenfilm mit Orlando´ sei. Selbst solche Seitenhiebe können den Ozean an Machismo eines Host mit journalistisch-/aufklärerischen Verpflichtungen natürlich nicht erschüttern, schliesslich war ich einzig und allein wegen dem verlässlichen Cameron Crowe in dem Film, der mich schon mit ´Jerry Maguire´, ´Almost Famous´ und ´Vanilla Sky´ zu begeistern wusste.

Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich den ebenso feinen wie treffenden Humor, die durch und durch herrlich anzuschauenden Interpreten und ja, ich muss es bestätigen, den tollen Soundtrack geniessen.
Doch etwa nach drei Vierteln des Films wird mit einer steppenden und kalauernden Susan Sarandon ein Wendepunkt eingeläutet: Ich hatte das Gefühl, da sollte ein emotionaler Höhepunkt gesetzt werden, wo er nun mal überhaupt nicht hingehört, und die anschliessende endlose Montage von Drew Baylor´s (Bloom) Roadtrip durch den Südwesten der USA (keine Ahnung ob es wirklich der Südwesten ist, wahrscheinlich ist es eher der Südosten oder zumindest der Süd-Südwesten, aber ´Südwesten´ schreibt sich schneller auf der Tastatur, was zwar so auch nicht stimmt), untermalt mit 50 Jahren Rock´n´Roll Geschichte half auch nicht gerade, den Spannungsbogen der Geschichte wiederherzustellen. Da hat Cameron Crowe in Sachen musikalischer Untermalung wieder mal alles gegeben, aber irgendwie hatte mich der Film zuvor schon verloren.

Zum Ende hin legte sich die dramaturgische Verwirrung dann wieder, so dass es dann doch noch zu den Prädikaten ´Feel Good Movie der Woche´ und lustigster Film seit ´Dogville´ reicht.

Archives | First published Nov 10, 2005

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