Grounding

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Ich gebe es ja zu: Ich bin überraschend begeistert von ‘Grounding’. Wer hätte das gedacht? Ich würde an dieser Stelle ja gerne wieder mal einen Film ein wenig durch den Dreck ziehen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hätte es mich, nachdem ich mir letzthin den schrecklichen ‘Ring Thing’ auszugsweise im TV angetan habe, nicht gewundert, wenn ‘Grounding’ das Schicksal einer ebenso unbegründeten wie bösartigen Kritik meinerseits ereilt wäre. Nichtsdestotrotz muss ich zum wiederholten Mal feststellen, dass ich den so genannten Schweizer Film nicht länger unterschätzen sollte. Trotz neuem Logo scheint das mit Beck und Bondi oder Black’n’Blond und Pisa gefüllte SF Format kein repräsentativer Qualitätsausweis für das eidgenössische Kulturschaffen zu sein (was wohl die wenigsten überrascht); doch was soll ich sagen? Nachdem Flip ‘Fascht e Familie’ verlassen hat, habe ich mich nie mehr gross darum gekümmert.

Auch gemessen an meinen doch gar fragwürdigen Kriterien eines befriedigenden Kinoerlebnisses schneidet der Film über die letzten Tage der Swissair zweifellos überdurchschnittlich gut ab und braucht den Vergleich mit ebenso teureren wie ausländischeren Produktionen nicht zu scheuen. Im Gegenteil; Nicht zum ersten Mal machten sich die Schweizer Macher helvetische Themen und Eigenarten zunutze, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen oder unnötig zu überhöhen. Was dabei herausgekommen ist, präsentiert sich als stimmige, professionelle und vor allem ungemein spannende und unterhaltende Produktion, ohne sonderlich übertrieben zu wirken, obwohl zahlreiche Klischees mit Nachdruck bedient werden. Sogar von einer von mir lange gehegten Vermutung, nämlich, dass Drama und Dialekt einfach nicht zusammen gehen, musste ich mich endgültig verabschieden; vor allem hätte ich mir nie träumen lassen, dass der Graubündner Dialekt je so herrlich fies tönen könnte wie hier.

An dieser Stelle ignoriere ich mal salopp, dass die Geschichte, die da erzählt wird, nicht zwangsläufig der ganzen Wahrheit entsprechen muss, denn gerade diese Stilisierung der realen Begebenheiten zugunsten der Dramaturgie macht den Film so geniessbar. In den einzelnen Handlungssträngen wird erstaunlich klar schwarz-weiss gemalt und man schämt sich nicht, im Dienste des Dramas Details wie etwa die fragwürdigen Abgangsentschädigungen der Verwaltungsräte wegzulassen. Kompromisslos werden stattdessen Manager zu Helden oder Feiglingen stilisiert und Bankenchefs zu Teufeln gemacht.

Obwohl ‘Grounding’ stoffbedingt mit keinem überraschenden Ende aufwarten kann, schafft es der Film, ungemeine Spannung aufzubauen, was vor allem der gekonnten handwerklichen Umsetzung und der wirklich gelungenen Musik zuzuschreiben ist.

Da gönne ich zur Abwechslung doch allen beteiligten den enormen Publikumserfolg und freue mich auf den nächsten Politkrimi über den interkantonalen Beschwerdetourismus.

Archives | First published Jan 20, 2006

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