Inside Man

Inside ManNepper, Schlepper, Bauernfänger

Ich nenne mich ‘Host’. Lest die folgenden Zeilen behutsam, denn ich werde jeden Satz nur einmal Schreiben (alles andere wäre wohl auch ziemlich bescheuert). In den vergangenen paar Minuten habe ich mir die perfekte Kritik zu ‘Inside Man’ ausgedacht. Das ist das ‘Was’. Das ‘Wo’ ist gleich hier, auf dieser Website. Das Keyboard vor mir ist das ‘Wie’. Warum ich das tue? Weil ich es kann. Das ‘und warum noch mal sollte dieser Text perfekt sein, mir scheint, der ist ziemlich willkürlich und eher durchschnittlich und meilenweit von Perfektionismus entfernt’ ist die Tatsache, dass ich besagte perfekte Zeilen leider vergessen habe, bevor ich sie notieren konnte.
Und das ist das ‘Pech’, das wir beide haben, denn die nächsten paar Minuten werden wir uns beide mit einer Besprechung von ‘Inside Man’ herumschlagen, die kaum die Kilobyte wert ist, die sie an Speicher vergeudet. Und Du kannst mir glauben, wenn ich schreibe, dass mir das hier genau sowenig Spass macht wie dir.

Doch genug zu mir, sprechen wir von einem anderen kleinen, zornigen Mann: Spike Lee. Was er mit ‘The 25th Hour’ begonnen hat, führt er mit ‘Inside Man’ solide weiter, nämlich, sich erneut von seinen häufig sehr politischen Stoffen zu entfernen (für solche Sachen haben wir ja jetzt den Dschordsch Kluni). Er lässt diesmal sogar auch wieder ein paar Weisse mitspielen.
Er erlaubt sich, einen etwas leichteren Stoff zu verfilmen – natürlich nicht, ohne dabei einige Seitenhiebe auf schwelenden Rassismus, und das verschwinden der Freiheitsrechte seit 9/11 mit einzuflechten. Weiss man, dass bei ‘Inside Man’ Spike Lee federführend war, könnte man in einigen Szenen sogar ziemlich treffende Parabeln zum fragwürdigen ‘Patriot Act’ erkennen. Und sogar die Familie Bush bleibt nicht ganz unangetastet.

Das bemerkenswerteste an ‘Inside Man’ ist aber, dass es sich dabei um einen ziemlich gelungenen und funktionierenden Heist-Movie handelt. Zwar erreicht er zu keiner Zeit den Charme von ‘Ocean’s Eleven’ oder ‘Ocean’s Twelve’ (schon wieder eine Klammerbemerkung, in der es um George Clooney geht, das entwickelt sich langsam zu einem Fetisch, insbesondere, da dieser Einschub purem Selbstzweck dient), ist aber nicht minder unterhaltend.

Es liegt im Ding der Sache, dass ein Film dieses Genres nur funktioniert, wenn die Story dem Publikum immer einer Nasenlänge voraus ist. Eine durchsichtige Story oder ein allzu hanebüchenes Überraschungs-Ende nimmt dem Film die ganze Existenzberechtigung. Diesen Anspruch erfüllt der Film vollends. Zwar reisst einen der Film nicht grade meilenweit vom Kinositz, amüsant und spannend ist das ganze aber auf jeden Fall geworden, denn auch an Humor mangelt es ‘Inside Man’ nicht, da er auch mit einigen wirklich amüsanten Szenen aufwartet.

Besonderes Vergnügen bereitet das Spiel von Clive Owen, Denzel Washington, Jodie Foster und Willem Dafoe, die alle, wie es scheint, die Sache nicht allzu ernst nehmen, es aber sichtlich geniessen, mehr oder weniger gegen ihre gewohnten Rollenkategorien anzuspielen: Washington als grenzkorrupter Detective, Jodie Foster als ‘magnificent cunt’, Clive Owen als ehrenhafter Schurke, Willem Dafoe als Polizist und Christopher Plummer als intrigierender Bad Guy – na ja, so ganz unbekannt kommen uns diese Besetzungen bei wiederholter Überlegung wohl doch nicht vor.
Aber eben, ich habe nie behauptet, dieser Text sei perfekt.

Archives | First published Mar 25, 2006

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