Match Point

Match PointThe Scarlett Letter

Es ist an der Zeit, dem werten Leser dieser bescheidenen Webseite einen Blick hinter die Kulissen der Entstehung einer Filmbesprechung zu gewähren. Eine Kritik schreibt sich nicht von alleine und nicht selten ist der Rezensent versucht, die Zeilen mit irgendwelchem Nonsense statt mit Fakten und Analysen zum Film zu füllen.

So beginnt eine pflichtbewusste Filmbesprechung bei der sorgfältigen Vorbereitung schon vor dem eigentlichen Kinobesuch. Selten wird einem die Entscheidung, welcher Premiere am Donnerstag der Vorzug zu gewähren ist, durch den Start eines konkurrenzlosen Blockbusters abgenommen und meist werden schon Tage vor der Premiere die einschlägigen Kulturfeuilletons konsultiert. Damit ist es aber noch nicht getan. Der Erfolg einer Kritik hängt nicht selten davon ab, wie es um das nationale und internationale politisch-soziale Gefüge und Befinden steht. So bietet es sich geradezu an, in politisch brisanten Zeiten eher kritische und wichtige Filme wie ‘Jarhead‘, ‘Good Night, and Good Luck‘ oder ‘Munich’ den Vorzug zu geben und beispielsweise die neue Komödie mit Jim Carrey zu depriorisieren. Auch entscheidet die globale und nationale Stimmung bis zu einem gewissen Grad, wie die Bewertung des Filmes letztendlich herauskommt. Im besten Falle geschieht diese Beeinflussung natürlich völlig unbewusst; abstreiten lässt sie sich jedoch kaum.

Unterm Strich bedeutet dies nichts anderes, als dass schon die Wahl des zu rezensierenden Filmes nicht von irgendwelchen persönlichen Neigungen oder Präferenzen abhängen darf, sondern das ganze globale und lokale Wechselspiel zwischen Politik, kulturellen und sozialen Gegebenheiten sorgfältig analysiert werden will, und die zu erwartende aktuelle Verfassung des Gastes beim Besuch von nidwirkli.ch und somit des gesamten deutschen Sprachraumes entsprechend gewichtet werden sollte. Man geht ja schliesslich nicht zum Vergnügen ins Kino.

Auch dem hier niedergeschriebenen Text liegt eine solch seriöse Vorbereitung zugrunde: Diese zeitaufwändige Abwägung von Für und Wieder der einzelnen aktuellen Filmpremieren in der Schweiz führte zum Ergebnis, dass in ‘Match Point‘ die atemberaubende Scarlett Johansson mitspielt, während sie das in ‘Grounding‘ und sämtlichen anderen startenden Filmen nicht tut. Dieser Faktor erklärt, warum vorliegende Kritik den neuen Film von Woody Allen behandelt und nicht den Krimi über den Absturz der ehemaligen nationalen Airline. Und wer bin ich, dass ich mich über das Resultat eines solch transparenten Kriterienkataloges hinwegsetzen wollte?

Ob und in welchem Masse der Film dann gefällt, hängt meist von einem klar vorgegebenen Analyseraster ab, in dem in sechs technisch-handwerklichen (Musik, Montage, Darsteller,…) und sechs emotional-empirischen Kategorien (Unterhaltung, Anspruch, Rhythums,…) zwischen 1 und 5 Punkte vergeben werden. Die Summe der Punkte entscheidet über die Benotung des Filmes. Wie der geneigte Leser spätestens jetzt bemerkt, hat diese Benotung jedoch meist nur herzlich wenig mit der eigentlichen Rezension des Filmes zu tun. Um das ganze zu vervollständigen, prangert über dem ganzen die gefühlte Bewertung, ebenfalls eine Note zwischen 1 und 5, die sich jedoch ebenfalls von der mathematisch hergeleiteten Note unterscheiden kann, aber in den Top Ten aus technischen Gründen (die beschränkten Programmiertechniken des Hosts) nicht berücksichtigt wird.

Wer hier also ‘nur’ eine Kaufberatung fürs Kinoticket sucht, ist mit der untenstehenden Analyse bestens bedient und wird schon durch einen kurzen Blick auf die Punktebewertung erfahren, ob sich laut Host ein Besuch von ‘Match Point’ lohnen wird oder nicht. All jene, die sich für Details, Hintergründe und Gedanken zum Film interessieren, lade ich ein, meine Texte zu lesen.
Die professionellen Beweggründe und komplexen Gedankengänge, die zu diesen Perlen der deutschen Belletristik führen, wurden ja mit diesem Beitrag zur Genüge behandelt. Darüber hinaus kann jeder, der seine Meinung kundtun möchte, dies am Ende jeder Seite tun oder wertvolle Informationen und Meinungen wie z.B. ‘Du redest nur wirres Zeug […]’ mit anderen Besuchern teilen, indem er einen Kommentar zur Seite beisteuert.

Archives | First published Jan 20, 2006

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