Runaway Jury

Runaway JuryNachdem ich in der Kritik zu ‘Big Fish’ bereits Ewan McGregor ein Kränzchen winden durfte, wird nun noch einem unterschätzten Schauspieler diese “Ehre” zuteil: John Cusack.
Wie einst Tom Hanks vom harmlosen Comedy-Star zum angesehenen Charakterdarsteller avancierte, entwickelt sich John Cusack immer drängender zum ernst zu nehmenden Ensemble-Player, der sich neben seinen Partnern in ‘Runaway Jury’ Gene Hackman und Dustin Hoffman nicht zu verstecken braucht. Wie schon in ‘Identity’ besticht er dabei vor allem durch seine ungemein sympathische Art und weniger durch differenziertes “Method Acting” – aber das spielt eigentlich auch gar keine Rolle.
Zwar wird man ‘Runaway Jury’ in spätestens einem Monat wieder vergessen haben, wer aber einer Hand voll wirklich guten Schauspielern (allen voran ein herrlich fieser und zynischer Gene Hackman ) bei der Arbeit zusehen möchte, sollte sich diesen Streifen nicht entgehen lassen. Übrigens gab’s schon lange keinen so raffinierten und gleichzeitig humorvollen Justiz-Thriller mehr.
Und noch eins: Michael Chrichton sollte sich schämen. ‘Timeline’ stinkt gegen ‘Runaway Jury’ so gewaltig ab, dass nun wohl endgültig klar ist, dass er in diesem Jahrhundert das Rennen gegen John Grisham verloren hat. Ich habe zwar weder ‘Timline’ gesehen noch ‘Runaway Jury’ gelesen, aber schliesslich ist das hier meine Website und hier schreib ich was ich will.

Starsky & Hutch

Starsky & HutchSelten so gelacht. Ohne nennenswerte Erwartungen und ohne je eine Folge der original ´Starsky & Hutch´ Serie gesehen zu haben, ging ich in diesen Film – und war begeistert. Sicher, ´Starsky & Hutch´ ist nichts weiter als eine Komödie im Buddy Movie Stil. Aber was für eine. Ich bin mir nicht sicher ob es am Timing, dem 70er Jahre Stil oder an den Darstellern liegt. Auf jeden Fall stimmt an dem Film einfach alles. Zwar dient die Story erwartungsgemäss nur als Vorwand, Owen Wilson und Ben Stiller aufeinander losgehen zu lassen. Aber das funktioniert so perfekt, wie ich es schon lange nicht mehr erleben durfte.
Das Team Stiller, Wilson, Dogg, Vaughn und Ferrell spielen liefert zwar nicht Gags am laufenden Band, versprüht aber nonstop Humor und Charme. Und einige Gags sind wirklich zum totlachen.
Die Leichtigkeit und Ernstlosigkeit, mit der ´Starsky & Hutch´ daherkommt ist eine Wohltat und eine wahre Kur für die Lachmuskeln. Man kommt sich vor, als schaue man den Beteiligten des Films beim Drehen nur mal so über die Schulter und dürfe miterleben, was für einen Spass sie dabei hatten. Story, Dramaturgie und Spannungsbogen (die ich sonst für zwingend nötig erachte), werden dabei zur Nebensache, was dem Film aber überhaupt nicht schadet.
Wie immer, wenn ich das Gefühl habe, einem Film nicht gerecht werden zu können, beende ich diese Rezension in der Hoffnung, einen Teil meiner Begeisterung in die Weiten des Internets an meine unzähligen Leser (mehr als zwei sollten´s inzwischen schon sein) gesendet zu haben.

Big Fish

Big FishDUDIDUDI dudidudi DUDIDUDI dudidudi – BATMAAAAAN! Naja, die Titelmelodie der Batman Fernsehserie hat so ziemlich gar nichts mit ´Big Fish´ zu tun. Mir war nur danach, die Kritik mal etwas anders in musikalischer Form zu beginnen und bei dieser Gelegenheit ein Statement abzugeben, wie toll ich die beiden Batman Filme, die von Tim Burton mit Michael Keaton in der Hauptrolle realisiert wurden, finde. Hoppla, mit Tim Burton sind wir ja doch schon beim Thema ´Big Fish´ angekommen.
Leider hat mich mit Big Fish einmal mehr ein Film enttäuscht, in den ich die grössten Erwartungen hatte. Ein modernes Märchen mit tollen Schauspielern und einer Menge schwarzem Humor stellte ich mir vor – und bekam das auch. Bis auf den schwarzen Humor, der für meinen Geschmack etwas zu selten und zu harmlos daherkommt.
Leider tritt die Story, die bisweilen an ´Forest Gump´ erinnert , trotz cleveren Sprüngen in der Erzählweise etwas an der Stelle. Man hat das Gefühl, es hätte mehr aus der originellen Idee gemacht werden können, Realität und Fiktion nebeneinanderzustellen und dabei immer mehr miteinander zu vermischen. Doch wenn der Film sich dem Ende nähert, merkt man, dass das fantastische Potenzial des Filmes anscheinend nicht ganz ausgeschöpft wurde und dass es das eben nun schon war.
Wenigstens wird man am Ende mit einem fantasievollen Schluss überrascht, das der Grundstimmung des Filmes wieder gerecht wird.
Zuvor spielen sich Ewan McGregor (der mich übrigens mit jedem Film mehr überzeugt, dass er wirklich ein Top-Schauspieler ist), Albert Finney (der ja tatsächlich vor etwa 30 Jahren den Hercule Poirot im ´Mord im Orientexpress´ gab*, wie ich zufälligerweise gestern mitbekam) und Billy Crudup, (den ich hingegen kaum wiedererkannte, seit er mich in ´Almost Famous begeisterte)´, …als hätte ich jetzt noch eine Ahnung, wie ich den Satz beenden wollte.
Auf jeden Fall ist die schauspielerische Leistung aller Beteiligten erwartungsgemäss grandig**.
Wenn ich mir ´Big Fish´ selbst aus dem Tim Burton Buffet schöpfen dürfte, hätte ich mir mehr Humor aus ´Mars Attacks´ und die stimmungsvoll düstere Atmosphäre aus ´Sleepy Hollow´ auf den Teller gepackt. Und natürlich hätte Halle Berry nicht mit mitspielen dürfen. Zwar kommt Sie gottlob in Big Fish auch so nicht vor, aber zu erwähnen, dass Halle Berry nicht mitspielen sollte, schadet nie, egal in welchem Kontext.
Kurz: ´Big Fish´ sollten alle Fans des gemütlichen Fantasie-Familien-Films und Fans von Tim Burton gesehen haben. Aber ein Meisterwerk sollte man nicht erwarten, sonst wird man nur unnötig enttäuscht.

*): “eine Rolle geben”. Eine Formulierung, die mir ganz und gar nicht passt, bei der mir immer alte Möchtegern-Diven aus dem deutschsprachigen Raum in den Sinn kommen, ich aber trotzdem mal verwenden wollte, weil sie gerade in den Satzbau passte.

**) Wenn ich schon dabei bin, noch so eine furchtbare Worthülse, die ich gleich noch obendrauf gebe: “Grandig”. Ich glaube das heisst so viel wie “grandios”, bin mir aber nicht sicher, und für so eine Phrase verschwende ich nicht meine Zeit, in einem Duden nachzuschlagen, obwohl das längst erledigt wäre, wenn ich diese Erklärung nicht auch noch getippt hätte.

The Passion of the Christ

The Passion of the ChristZu Beginn möchte ich den wohl heikelsten Aspekt dieses Filmes ansprechen: Schon Wochen vor dem offiziellen Kino-Start von ´The Passion of the Christ´ wurde in den Medien bereits diskutiert, ob die Darstellung im Film zulässig und biblisch-historisch begründet sei, oder ob das ganze einfach nur einen Eklat darstelle, der im Jahre 2004 nach Christus eigentlich gar nicht mehr vorkommen dürfte.
Natürlich spiele ich auf die fragwürdige Tatsache an, dass Satan in diesem Film von einer Frau (Rosalinda Celentano) verkörpert wird. Vor einigen Wochen ´feierten´ wir den Tag der Frau. Und trotz der zahlreichen Demonstrationen und Aktionen scheint es heute noch immer eine verbreitete Meinung zu sein, dass Satan eine Frau ist. Zahlreiche internationale Verbindungen und Kommitees sprachen von einem Rückschritt und einer Katastrophe. In der heutigen Zeit sollte doch mit dem Vorurteil, dass die Frau von Grund auf böse und Schuld an unserer Erbsünde sei, aufgeräumt sein. Trotzdem schreckte Mel Gibson nicht davor zurück, für die Rolle des Satans eine Frau zu wählen. Aufgrund der durch die biblische Vorlage begründeten dramaturgischen Mängel der Geschichte beschränkt sich die Hauptaussage des Films somit darauf, dass der Teufel eine Frau sein muss und indirekt allein für die Kreuzigung Christi verantwortlich ist.

In Tat und Wahrheit fand natürlich nie eine solche Diskussion statt, sondern es ging um die Frage, ob der Film nun antisemitisch sei oder nicht. Trotzdem wundere ich mich, dass bei dem ganzen Drama nicht auch die Frauen aus oben genanntem Grund auf die Barrikaden steigen,… oder die Römer, die nun nicht nur korrupt sind, sondern auch Jesus an´s Kreuz getackert haben, natürlich erst, nachdem Sie ihn stundenlang genüsslich zu Hackfleisch gepeitscht hatten,… oder die Katholiken, weil Christus (Jim Caviezel, der aber irgendwie immer wie Ralph Fiennes schaut) im Film als apatischer, langweiliger und humorloser Egozentriker dargestellt wird. Da möchte man doch gleich aus der Kirche austreten.

Mal von dieser ganzen Chose abgesehen bleibt von ´The Passion of the Christ´ leider nicht allzu viel übrig, über das man eine Kritik schreiben könnte. Filmtechnisch gibt es eigentlich nicht viel auszusetzen, in den besseren Szenen erinnerte mich der Film sogar an ´Face/off´ oder andere moderne Action-Streifen. Einzelne Szenen, die Rückblicke auf das frühere Leben Christi darstellen, vermitteln einem den Eindruck, dass Mel Gibson tatsächlich nicht nur religiöse, sondern auch einige filmische Ansprüche an sein Werk gehabt hätte. Doch überzeugen konnte er mich davon nicht.
Durch die vielen, eigentlich interessanten Zeitlupeneinstellungen scheint der Film im ersten Drittel immer langsamer zu werden, bis er schliesslich thematisch und dramaturgisch auch wirklich stehen bleibt: Ich wollte es im Vorfeld ja nicht wahrhaben, aber der Film dreht sich tatsächlich hauptsächlich darum, wie Christus gequält und zerfetzt wird.

Abschliessend lässt sich nur eines mit Sicherheit über ´The Passion of the Christ´ sagen: Er wirft ganz klar zwei drängende Fragen auf:
1.: Wäre ´Deconstructing Jesus´ nicht der treffendere Titel gewesen? und 2.: Was hätte wohl Tim Burton aus dem Stoff gemacht?

School of Rock

School of RockDas war doch genau das, was ich nach ´Monster´ brauchte: Eine erfrischende Komödie mit solider, klassischer Dramaturgie, mit einem hervorragenden Hauptdarsteller: ´School of Rock´. Tatsächlich lebt der Film hauptsächlich von der physischen Präsenz von Jack Black, der zwar, wie schon in ´High Fidelity´ seine gewohnte Show abzieht,… aber eigentlich hätte mich auch alles andere enttäuscht.
Teilweise bewegen sich seine Luftgitarrensoli zwar fast am Rande des Nervigen, aber eben nur fast. So schafft es die sympathische Hauptfigur, zusammen mit der durchgehend überzeugenden Bande von Kids eine schöne Geschichte zu erzählen, bei dem die Kinder zwar meist im Schatten der Präsenz von Jack Black bleiben, jedoch nie vorgeführt oder bevormundet wirken.
Nebst Jack Black überzeugt auch Joan Cusack in ihrer Rolle als zugeknöpfte Rektorin mit obligatem Ausraster. Zusammen mit einem eingängigen Rock-Soundtrack, meist von Jack Black selber performt, ergibt sich ein harmloser, aber überzeugender und herzlicher Film, den ich jedem empfehlen kann, der den Hauptdarsteller und gute Musik mag.
Übrigens noch ein Stichwort zu Jack Black:´ Tenacious D´. Unter diesem Namen rockt Jack Black zusammen mit einem Partner Kyle Gass seit einigen Jahren in der Comedy- und Musikszene. Auf HBO lief unter diesem Namen sogar eine Comedy Serie. Viel hab ich davon zwar auch noch nicht mitgekriegt, der letzte Song ´Tribute´ gefällt jedoch sogar mir obwohl ich nicht behaupten kann, dass ich ein Rock´n´Roll Kenner wäre.

Scary Movie 3

Scary Movie 3Na ja. Ich erinnere mich, wie lustig ich damals ´Die Nackte Kanone´ und die ´Hot Shots´ Filme fand. Grundsätzlich habe ich ja auch nichts gegen Parodien, es gab sogar eine Zeit, in der ich das Genre als mein Lieblingsgebiet erklärt hätte. Aber ´Scary Movie 3´ konnte mich nun einfach nicht vom Hocker reissen. Nicht, dass ich weiss nicht was für hohe Ansprüche an solche Komödien habe, aber wirklich lustig fand ich den Film nicht, obwohl einige Gags tatsächlich funktionierten. Aufgrund der Enttäuschung mag ich auch gar nicht mehr dazu schreiben.
Nicht mal die Hoffnung, dass ich nach den Credits noch mit einem wahrer Super Brüller Witz belohnt werden würde, wie es doch früher mal bei solchen Filmen üblich war, wurde erfüllt. Schade, aber ich warte auf den nächsten Teil – vielleicht ist der ja besser.

Monster

MonsterMan hat es ja schon einige Male gehört und gelesen: Charlize Theron ist in ´Monster´ bis zur Unkenntlichkeit geschminkt und verzichtet somit auf ihr bis jetzt wohl herausragendstes Attribut: Ihr Aussehen. Eigentlich wollte ich es mir ja verkneifen, ebenfalls auf diesem Punkt herumzuhacken, denn der Film ist wirklich gelungen und die Leistungen der Hauptdarstellerin haben mich positiv überrascht, aber wenn ich schon mal dabei bin…
Gerade weil die Verwandlung von Charlize Theron in den Medien unerträglich in die Breite getreten wird, finde ich es erwähnenswert, dass ´Monster´ in erster Linie gar nicht den Hauptcharakter klassifizieren soll, sondern als Symbol für unerfüllte Träume und Hoffnungen fungiert. In ähnlicher Weise wie dieser doppeldeutige Titel funktioniert der ganze Film (ich stelle diese These mal einfach so in den Raum):
Schon durch die Titelgebung und das Make-up wird dem Zuschauer im Vorfeld unweigerlich klar gemacht, wer das Monster ist und dass diese Bezeichnung ohne weiteres wörtlich genommen werden darf. (Dabei gehe ich davon aus, dass man vor dem Kinobesuch in etwa weiss, von was der Film handelt und nicht etwas wie ´Hulk´ oder ´Gremlins´ erwartet.)
Während sich die Story entwickelt, ändert sich aber diese Einstellung gegenüber dem Hauptcharakter. Jedoch wird hier nicht einfach der Täter zu Opfer gemacht, sondern das Ganze geschieht differenzierter: Obwohl der Charakter Aileen Wuornos (Theron) bis zum Schluss nie wirklich zur Sympathiefigur wird und man sich trotz anfänglichem Verständnis und Mitleid keinesfalls mit ihr identifizieren möchte, ist und bleibt sie der Mittelpunkt des Filmes und man akzeptiert ihre Rolle. Dabei dominieren weder Mitleid noch Abscheu gegenüber der Hauptfigur, sondern man übernimmt als Zuschauer die Rolle des Mitläufers wieder Willen, also den Part, den im Film Christina Ricci als Selby Wall verkörpert. Obwohl Wuornos dramaturgisch eindeutig die Identifikationsfigur darstellt, kann man ihr Verhalten nicht gutheissen, obwohl man anfänglich ihre Beweggründe gut nachvollziehen kann. Man treibt immer mehr von ihr weg hin zur Normalität und ist schlussendlich zufrieden mit dem Ende des Filmes, obwohl man doch der Hauptfigur zu Beginn ein Happy End gegönnt hätte.
Diese Wiedersprüchlichkeit zwischen Identifikationsfigur und Zuschauermoral macht wohl den Reiz von ´Monster´ aus und überzeugte zumindest mich.

Lost in Translation

Lost in TranslationA long time ago ist´s schon her seit meiner letzten Kritik. Doch, doch, ich war schon im Kino, nur bin ich nicht dazu gekommen zu jedem Film meinen Kommentar abzugeben. Darum hier nur ein kleiner Nachschub eines wirklich sehenswerten Films: ´Lost in Translation´.
Ich weiss nicht genau warum, aber Bill Murray wirkt einfach saumässig sympathisch. Obwohl ich ihn seit Jahren in keinem Kinofilm mehr gesehen habe (ausser in ´Charlie´s Angels´), schafft er es im Handumdrehen, seine Figur eines gealterten Schauspielers glaubwürdig und vor allem unglaublich komisch zu etablieren. Es scheint, als seien seit Ghostbusters-Zeiten keine zwei Jahre vergangen.
Die kulturellen Unterschiede zwischen Westen und Osten werden sorgfältig gezeigt und ohne zu übertreiben wirken die meisten Gags gerade dadurch, dass sie sich tatsächlich so abgespielt haben könnten.
Noch ein Wort zur weiblichen Hauptdarstellerin: Lange habe ich im Kino herumgegrübelt, wie diese Schauspielerin denn heisst (Ich hab nicht so genau aufgepasst beim Vorspann). Dann ist es mir endlich in den Sinn gekommen: Dominique Swain! Doch hoppla, da hatte ich mich gewaltig getäuscht. Es handelt sich in Wirklichkeit um Scarlett Johansson. Aber ähnlich sehen tun sich die beiden doch wirklich, oder lieg ich da völlig falsch?
So, bevor ich noch weiter in die Abgründe des semantischen Verfalls vordringe, mach ich Schluss mit dieser Kritik und warte auf bessere Zeiten.