The Life and Death of Peter Sellers

Nebenan plätschern die «Desperaten Hausweifen» vor sich hin und ich lausche wie jeden Montag den süssen Dialogen und warte gespannt, ob ich vielleicht heute Abend einen Hinweis darauf finden kann, warum diese Serie in den Staaten ein solcher Erfolg sein soll.

Doch nun zum eigentlichen Thema von heute: «The Life and Death of Peter Sellers». Wie so oft habe ich eigentlich keine Ahnung von der Thematik des Films, denn obwohl ich vor Jahren wohl einen oder zwei Filme der «Pink Panther» Reihe gesehen habe, fand ich diese nicht besonders lustig und bis vor kurzem konnte ich kaum Peter Sellers von Peter Weller unterscheiden. [Jetzt verpasste ich doch prompt die erste Liebesszene bei den Hausweifen.]

Zurück zum Thema: Obwohl ich mich im Grunde nicht besonders für Peter Sellers erwärmen kann, muss ich den Film auf der ganzen Linie empfehlen, denn eine Vermutung scheint sich bei «The Life and Death of Peter Sellers» zu bestätigen: Die Qualität eines Biopic kann daran gemessen werden, wie gut man den Film finden kann, auch wenn man die grundlegende Figur nicht im vornherein kennt. (Das muss eine meiner holprigsten Formulationen seit langem sein.) Wie bereits bei «The People vs. Larry Flynt», «Man on the Moon» oder «The Aviator» hatte ich von den historischen Hintergründen im Vorfeld keine Ahnung, war dann jedoch von der filmischen Umsetzung umso mehr angetan.

Dasselbe trifft auch auf «The Life and Death of Peter Sellers» zu. Der Film funktioniert auf allen Ebenen so perfekt, dass es einfach ein Genuss ist, sich auf die Geschichte einzulassen und die Entwicklung der Figuren mitzuverfolgen. Insbesondere der Kunstgriff, die Geschichte auf mehreren Ebenen spielen zu lassen… Oh, gerade hüpfte eine fast nackte desperate Hausweif über meinen TV Bildschirm; ich glaube, langsam begreife ich das Konzept der Serie. Wo war ich? Ach ja, die Geschichte von Peter Sellers wird auf sehr ungewöhnliche, aber äusserst originelle Weise erzählt: In einer Art Rahmenhandlung wird man zu Beginn von Sellers persönlich in die Geschichte eingeführt, indem quasi die Handlung als Film im Film vorgestellt wird. Im weiteren Verlauf des Streifens wird die Geschichte immer wieder fliessend vom Erzähler unterbrochen, so dass man immer mehr den Überblick verliert, auf welcher Ebene der Erzählung man sich denn gerade befindet. Das Schöne dabei ist, dass dies überhaupt keine Rolle spielt und den Rhythmus der Geschichte nicht unterbricht. Beim genannten Erzähler handelt es sich notabene um den verkleideten Peter Sellers, der wiederum von Geoffrey Rush verkörpert wird. Dies mag nun etwas konfus tönen, im Film verwirrt dies jedoch nie, sondern funktioniert als formaler Kniff, um das eigentliche Hauptmotiv des Filmes wiederzuspiegeln: Die vermeintliche Unbestimmtheit oder gar Abwesenheit von Peter Seller’s ureigener Persönlichkeit.

An dieser Stelle scheint mir ein grosses Lob an Geoffrey Rush angebracht, denn obwohl er praktisch in jeder Szene des Filmes (mindestens einmal) vorkommt, nimmt man ihm die Figur des Peter Sellers zu jeder Zeit ab. (Ein Ding der Unmöglichkeit bei den Superstars wie z.B. Cruise oder Clooney, Travolta oder Pitt, die, so gut sie auch spielen, meistens eher Figuren verkörpern, die eben wiederum den Schauspielern Cruise, Clooney, Travolta oder Pitt zum verwechseln ähnlich sehen und sich auch so benehmen. «Ocean’s Twelve» bewies uns zum Glück, dass dies ja auch nichts Schlechtes sein muss.)

Die Hausweifen verabschieden sich übrigens gerade, wiederum halbnackt, und machen im Äther Platz für die nächste «TV-Sensation» aus den USA: Komisch, obwohl die Gestrandeten in «Lost» schon seit Wochen auf einer abgelegenen Insel ohne Kontakt zum Rest der Welt festsitzen, scheinen die Leute dort immer noch mehr Anziehsachen als die Hausweifen zu haben.

Man sollte sich «The Life and Death of Peter Sellers» auf jeden Fall anschauen, egal, ob man die Hintergründe nun kennt oder nicht. Und nachdem man das Grab von Ray Charles mit Grammies und Oscars zugeschüttet hat, ist es nur gut und recht, wenn man auch Peter Sellers Tribut dieser Art zollt, zumal «The Life and Death of Peter Sellers» nüchtern betrachtet um Längen unterhaltsamer ist als «Ray».

Archives | First published: April 23, 2005

The Merchant of Venice

The Merchant of VeniceDarf´s ein bisschen mehr sein?

Irgendwie bedaure ich fast, dass weder Halle Berry noch Michael Dudikoff eine Hauptrolle in ‚The Merchant fo Venice’ bekommen haben. Wäre dies der Fall, hätte ich keine Skrupel, diesem Film einen solchen Verriss zu verpassen, dass Michael Radford glaubte, Massimo Troisi persönlich stiege aus seinem Grab und haue ihm seine Oskar-Nomination um die Ohren.
Da der Part des Shylock aber nun mal nicht von einem dahergelaufenen Lorenzo Lamas sondern vom grossen Al Pacino persönlich gespielt wird, sehe ich mich als Fan in der Pflicht, etwas differenzierter an den Film heranzugehen.

Jeder durchschnittlich kulturell Interessierte weiss wohl um die Brisanz und den beissenden Humor in William Shakespeare’s ‚Der Kaufmann von Venedig’. Da der Host jedoch alles andere als durchschnittlich ist, war er sich dieses Umstandes nicht bewusst, bis er es in einigen nidwirkli.ch-fremden Kritiken gelesen hatte. Ich gehe daher mal davon aus, dass der Stoff wirklich so heikel ist und der Brisanz-Regler bei der Vorstellung, die ich im Kino erleben durfte, nicht ganz so hoch eingestellt war wie vom Verleiher empfohlen. (Falls der geneigte Leser jetzt das Gefühl hat, der vorangegangene Satz mache nicht viel Sinn, dann hat er wahrscheinlich recht.)
Und übrigens: Muss den immer alles als brisant, heikel oder zumindest anspruchsvoll bezeichnet werden, wenn ein Bösewicht jüdischen Glaubens (oder ein arabischer Terrorist, oder ein Schweizer Banker) auch nur am Rande vorkommt? Ich dachte, diese Diskussion über Antisemitismus im Mainstream-Kino sei spätestens seit ‚The Passion of the Christ’ doch eher abgegriffen. Ausserdem gab es damals schliesslich um ‚X-Men’ auch keine Diskussion zum Thema, obwohl Magneto mindestens ebenso boshaft wie Shylock und die Szene mit ihm als Kind im KZ fast ebenso schwarz-weiss wie der Grossteil von ‚Schindler’s List’ ist.
Brisanz ist gefragt? Dann lanciere ich hiermit aus dem hohlen Bauch heraus das Internet-Gerücht, dass Steven Spielberg’s‚ Jaws’ (‚Der Weisse Hai’) ursprünglich unter dem Arbeitstitel ‚Jews’ von einem übermächtigen, jüdischen Hai handeln sollte, der aus Rache einen arischen Strand terrorisiert, dann aber von einem anderen Mitglied der jüdischen Gemeinschaft zur Strecke gebracht wird. Voilà: innerhalb weniger Wochen werdet Ihr auf meine Website geleitet, wenn Ihr auch nur daran denkt, nach ‚Kontroverse’ zu googlen. DAS ist Brisanz.

Zurück zum Thema: Im Allgemeinen wird ebendiese Brisanz als Grund aufgeführt, dass ‚The Merchant of Venice’ bis jetzt als Filmvorlage eher vernachlässigt wurde. Ich selber vertrete die Auffassung, dass Filmemacher bis jetzt einfach das Risiko, einen langweiligen Film abzuliefern als zu gross eingestuft hatten. Angesichts der Tatsache, dass ich die literarische Vorlage von Shakespeare nicht gekannt hatte, bis ich den Film gesehen habe, ist diese meine Behauptung natürlich ein ‚circulus in probando’, eine Feststellung, die ich erst im Nachhinein machen konnte. Das ist das schöne an Fremdwörtern: An dieser Stelle studieren noch 85% meiner Leser was ein ‚circulus in probando’ denn ist, (es ist ein Zirkelschluss), und ich brauche mir keine Gedanken zu machen, wie ich wieder Fluss in den Text bringe, aber wer den Film gesehen hat, weiss, was ich meine: ‚The Merchant of Venice’ ist langweilig. Es soll sogar Leute geben, die während der Vorstellung eingeschlafen sind. Zwar ist dies dem Host selber seit ‚Sleepers’ nicht mehr passiert (kein Witz, ehrlich!), jedoch sind auch für ihn die narkoleptischen Reaktionen auf ‚The Merchant of Venice’ sehr wohl nachvollziehbar.
Kurz: Ich wartete den ganzen Film lang darauf, dass Al Pacino endlich aufdreht und den Kinosaal mit einem seiner lautstarken Monologe erzittern lässt. Doch obwohl es an einigen Stellen den Anschein macht, jetzt lege er los, kommt es nie zum ‚The Devil’s Advocate’ oder ‚Any Given Sunday’ – Moment (wer die Filme gesehen hat, weiss was ich meine). Die Rolle des Shylocks lässt dies gar nicht zu. Denn wenn Pacino aufdrehen würde, wäre der Film für seine Schauspielerkollegen gelaufen. Und soweit ich die Story verstanden habe, ist es der Dramaturgie nicht sonderlich hilfreich, wenn die Figur des Shylock zur Hauptidentifikationsfigur wird. Doch auch mit Pacino mit angezogener Handbremse passiert leider eben dies, was mitunter ein Grund ist, dass der Film nicht wirklich funktionieren kann. Halloo?! Dann besetzt nicht Al Pacino auf diesen Part oder gebt ihm einen ebenbürtigen Counterpart, vielleicht Sean Penn, Edward Norton oder wenigstens Jamie Foxx als Othello! Denn wenn der Shylock am Schluss mit eingezogenen ‚Little Friend’ herunterkapitelt wird, ist das für den Zuschauer so unbefriedigend wie wenn Tony Montana am Ende von ‚Scarface’ ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden würde. (Übrigens weiss ich sehr wohl, dass Othello nicht im ‚Kaufmann von Venedig’ vorkommt, aber wenn im Sommer ‚Stealth’ in die Kinos kommt, könnten Foxx’s Oscar-Ehren so schnell aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwinden wie der gleichnamige Flieger vom Radar, und Foxx wäre froh, wenn er auf einen Othello in seinem Lebenslauf verweisen könnte.)

Nun ein Wort zum eigentlichen ‚Helden’ des Stücks: Obwohl Joseph Fiennes seit ‚Shakespeare in Love’ was Frauen anbelangt nicht viel gelernt zu haben scheint, kann man nichts gegen seine schauspielerischen Fähigkeiten sagen. Nicht umsonst sind seine Leistungen in ‚Schindler’s List’ oder ‚The English Patient’ bis heute unverg…, oh, entschuldige Joseph. Nächstes Thema.

Abschliessend kann ich sagen, dass das Beste an ‚The Merchant of Venice’ die Tatsache ist, dass ich mich an einen anderen Film erinnert wähnte, den schon fast vergessen hatte: ‚Looking for Richard’. Jedem, der sich für eine wirklich gelungene und amüsante Kombination von Shakespeare und Pacino interessiert, dem lege ich diesen pseudo-dokumentarischen Film mit vielen bekannten Gesichtern ans Herz. Und wenn man Al Pacino dann immer noch als Juden in brisantem Umfeld sehen will, dann empfehle ich den Thriller ‚People I know’ (‚Der innere Kreis’).

The Life Aquatic with Steve Zissou

The Life Aquatic with Steve ZissouAuf diesen Film habe ich gewartet: Endlich ein wirklich guter Grund, wieder einmal eine neue Kritik zu verfassen.

Und weil sich der Host so sehr darüber freut, gibt´s ab heute sogar ein neues Bewertungssystem auf nidwirkli.ch: Der grösste Vorteil dabei: Ich kann nun meinen Senf zu den Filmen geben, auch ohne eine ellenlange Abhandlung darüber zu schreiben.

Nun trotzdem noch einige Worte zu dieser herrlich schrägen und amüsanten Hommage an Jaques Cousteau: Zwar interessiere ich mich weder für Wasser, Fische, Ozeanografen noch sonst für irgendein Thema, welches in diesem Film aufgegriffen wird, trotzdem liebte ich diesen Film. Wer Bill Murray mag und seine Rolle in ´Lost in Translation´ liebte, ist in ´The Life Aquatic´ auf jeden Fall schon mal sicher im richtigen Film.
Hier aber gleich eine Warnung: Eine gewisse Affinität zu schrägem Humor ist eine dringende Voraussetzung, um diesen Streifen wirklich geniessen zu können. Wem diese abgeht, wird wohl fragend auf die Leinwand starren und sich eher langweilen als amüsieren.
Alle anderen können sicher sein, dass schon die Besetzung, angefangen bei Bill Murray über Owen Wilson, Willem Dafoe und Cate Blanchett bis hin zu einem lange nicht mehr gesehenen Jeff Goldblum den Preis für das Ticket wert ist. Lange nicht so gelacht.

The Terminal

The TerminalEs wird wieder kälter in unseren Breiten. Die Blätter fallen von den Bäumen, der Nebel setzt sich in den Tälern und die bedrückte Stimmung in den Herzen der Fussgänger fest. Der Herbst ist da. Doch während der eben noch so farbenfrohe Wald immer karger und das Wetter immer grauer wird, spielbergelt es auch wieder in den Kinosälen. Der verträumte Meisterregisseur bringt uns in dieser kalten Zeit etwas fürs Gemüt: ‚The Terminal’.

Wenn draussen die Tage kürzer und in den muffigen Wartesälen die Gesichter länger werden, tut es richtig gut, sich in der lichtdurchfluteten Ankunftshalle des JFK Airports zusammen mit Viktor Navorski (hervorragend gespielt von Tom Hanks) aufzuwärmen und mitzuerleben, wie Spielberg aus einer eigentlich belanglosen Geschichte ein herzerwärmendes und vor allem amüsantes Stück über Einsamkeit und Freundschaft, Menschlichkeit und Pflichterfüllung, Jazz und ausgestopfte Fische zaubert.

Nach Spielbergs doch eher actionlastigem ‚Minority Report’ findet er mit ‚Catch me if you can’ und nun mit ‚The Terminal’ wieder zu seiner genüsslich-phantasievollen Erzählweise zurück und liefert ein herrliches Stück Unterhaltungskino ab. Vor allem den Darstellern, Dialogen und den meisterhaften Kameraarbeit und Montage ist es zu verdanken, dass der Film sich gegen Ende von der 08:15 Komödie zu einer Art verfrühtem Weihnachtsmärchen entwickelt, dem es nicht an literarischen Motiven und Anspielungen fehlt, denn zeitweise wähnte ich mich sogar an Elemente aus Homers Odyssee oder Don Quichotte erinnert.

Vor allem Tom Hanks, einige witzige Einfälle und der feine Humor machen den Film auf jeden Fall sehenswert. Denn ob es in ‚War of the Worlds’ ebenfalls wieder so schön spielbergelt, bezweifle ich. Dann wird wohl eher wieder gecruist.

Der Untergang

Der UntergangIch hätte einige Gründe, bei dieser Kritik mal wieder so richtig dreinzufahren: Warum etwa sollte man sich einen Film anschauen, der stellenweise daherkommt wie ein Telekolleg für suizidär veranlagte Menschen?
Nachdem mir jedoch bei meinem Besuch von ‚Der Untergang’ ungewöhnlich viele Kinobesucher in einem sonst eher unbelebten Spartenkino begegneten, besinne ich mich nun doch auf meine Verpflichtungen als Aufklärer und gehe zur Abwechslung mal etwas nüchterner an die Besprechung heran.

Was also treibt die Massen in ‚Der Untergang’? In der Warteschlange im Foyer fühlte ich mich plötzlich unweigerlich an das Kinoerlebnis von ‚The Passion of the Christ’ oder ‚Fahrenheit 9/11’ erinnert. Allein die Anzahl der Besucher konnte nicht der Grund für dieses Deja-vu sein, schliesslich bin ich mir das von anderen Blockbustern gewöhnt. Es war wohl eher die Zusammensetzung des Publikums: Fällt das Stichwort ‚anspruchsvoll’ findet auch mal der gesetzte, erwachsene Kulturgebildete seinen Weg ins Kino, schloss ich. Nein, anspruchsvolle Filme sind nicht irgendwelche billigen Sommerhits, welche von den Studios zu riesigen Seifenblasen aufgepumpt worden sind. Nein, hier handelt es sich um Kunstwerke, mit Inhalten und Themen, die zählen. Kultur eben. Anstrengende Oeuvres, die nachdenklich und betroffen machen. Nicht dieser kommerzielle Schund, der unter Umständen sogar noch unterhalten könnte.
Man stelle sich den imaginären Hauke vor, wie er im Lesezirkel zugibt, das letzte Kapitel von ‚Der Zauberberg’ noch nicht fertig gelesen zu haben, weil er sich lieber noch mal Spiderman auf DVD angeschaut hat: Rausschmiss aus dem Club und Hausverbot im Reformkostladen wären die Folge. Einzig Kultur mit Tiefgang ist verzeihbar, wo das ‚Lachen, das einem im Halse stecken bleibt’ der höchste Grad an zugelassener Unterhaltung ist.
Während ich mich noch fragte, warum ich mir überhaupt all diese wirren Gedanken zum Klassenkampf zwischen Kunst und Kommerz mache, fiel es mir wie Schuppen von den Haaren: Vielleicht war ich einmal mehr Zeuge eines Phänomens, das spätestens seit der heuchlerischen Dogma-Filmerei immer häufiger zu beobachten ist: Die wohl subversivsten Art, einen Film zu vermarkten: Der Hype für Anspruchsvolle! Oder: Was mache ich aus einem schlechten Film, der zudem so langweilig ist, dass er nicht als Mainstream-Kracher verheizt werden kann? Man nennt es ‚anspruchsvoll’ und findet auch so ein dankbares Publikum.
Warum, frage ich, muss ‚anerkannte’ Kunst und Kultur nur immer ernsthaft, kompliziert und auf keinen Fall unterhaltsam sein? Es gibt doch schon mehr als genug solchen Müll in der Mainstream-Ecke.

Glücklicherweise trifft entgegen meinen Erwartungen nichts von alledem auf ‚Der Untergang’ zu. Sieht man von einigen Längen am Schluss ab, weiss der Streifen sehr wohl zu unterhalten. Überraschenderweise gibt’s stellenweise sogar was zu schmunzeln. Auch Story, Dramaturgie, Spannung und Humor, die hervorragende Besetzung und die üppige Ausstattung wissen zu überzeugen.

Obwohl der Film also im allgemein alles andere als enttäuscht, macht ihn erst die gewagte Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, sehenswert: Die Nazis, allen voran Hitler, werden hier einmal nicht als klischierte Monster oder tumbe Lakaien dargestellt, sondern bleiben während dem ganzen Film mehr oder weniger sorgfältig ausgearbeitete Charaktere, die mit ihrem Schicksal hadern. Mehrmals werden zwar auch Aspekte wie Judenverfolgung oder ideologische Gleichschaltung thematisiert. Dies geschieht jedoch eher der Vollständigkeit halber und wird nie zur Hauptaussage des Filmes gemacht.
Ich rechne es dabei den Machern hoch an, dass der Film auch mit dem gewagten Versuch, Hitler als eine Person unter vielen darzustellen, nie zu provozieren versucht. Vielmehr wird da eine (wohl wahre) Geschichte aus ungewohnter Perspektive erzählt, in der nun mal einer der Protagonisten Hitler heisst.

Dieses Vorgehen gibt dem Film einen sehr eigenwilligen Charakter, denn gerade diese Nüchternheit im Film schafft eine Spannung, die per Tränendrüse oder schlechtem Gewissen nicht zu realisieren gewesen wäre.
Diese Art der Inszenierung an sich würde eigentlich 4 Punkte verdienen; beurteile ich den Film jedoch wie anfangs versprochen ebenso nüchtern und als Gesamtwerk, vermag auch Bruno ganz beeindruckende schauspielerische Leistung den Film nicht über ein (sehr gutes) Mittelmass zu erheben.

Hellboy

Hellboy´Snowball in Hell´ – Für diesen Streifen bekam Steven Seagal im Film ´In & Out´ einen Oskar als bester Schauspieler. Wer Steven Seagal kennt und ´In & Out´ gesehen hat oder zumindest der englischen Sprache mächtig ist, wird nun hoffentlich schmunzeln, denn ´Snowball in Hell´ war wohl der beste Gag in Frank Oz´ Komödie von 1997.

Die wohl verwirrte Mehrheit der Leser kann ab hier wieder einsteigen: ´Snowball in Hell´ hat natürlich herzlich wenig mit ´Hellboy´ zu tun, aber was soll´s – eh man sich´s versieht, ist man schon mitten in der ´Hellboy´ Kritik angelangt, ohne dass der Host auch nur die geringste Anstrengung unternommen hätte, sich einen passenden Anfang für diesen Text auszudenken.
Doch nun endlich zum eigentlichen Thema: ´Hellboy´ ist ein echter Leckerbissen. Comicverfilmungen sind zugegebenermassen zur Zeit nicht gerade Mangelware in den Kinos. Nach ´Catwoman´ scheint mir aber ein so gelungener Film wie ´Hellboy´ gerade recht zu kommen, um die Reputation der Comicverfilmung nach dem felinen Desaster wiederherzustellen. (Nein, natürlich habe ich ´Catwoman´ nicht gesehen. Warum ich mir dann ein Urteil über den Film erlaube? Weil meine Schmähschriften nur auf diese Art unbeeinflusst, subjektiv und letztlich unabhängig bleiben.)

Zwar muss ich einmal mehr gestehen, dass ich, wie bereits bei ´Harry Potter´, ´I Robot´ oder ´Passion of the Christ´ die literarische Vorlage nur vom Hörensagen kenne. Trotzdem wage ich zu behaupten, dass der Transfer von Mike Mignola´s Comic auf die Leinwand voll und ganz gelungen ist. Aus einleuchtendem Grund kann ich mir kein Urteil über die Authentizität von Aussehen und Charakter von Hauptfigur, Story und Hintergrund erlauben, als Film funktioniert das ganze jedoch einwandfrei und übertraf meine (hohen) Erwartungen sogar.
Fantasievoll, Lustig, spannend, düster, überraschend, ja sogar als charismatisch könnte man ´Hellboy´ bezeichnen. Dies ist vor allem der treffenden Besetzung des Hauptcharakters zu verdanken. Obwohl Ron Perlman schon seit Jahren eine feste Grösse im Fantasy- und Horrorgenre ist, scheint ´Hellboy´ der erste Film zu sein, dem er seinen persönlichen Stempel aufdrücken konnte (oder durfte). ´Red´ sprüht geradezu vor Witz, Charisma und vor allem Selbstironie und irgendwie hat man das Gefühl, dass Perlman nicht allzu tief unter den Schichten von Make up steckt und einen Heidenspass an seiner Rolle hat.
Natürlich ist der Film keine Charakterstudie sondern ein hervorragend gemachtes Fun-Movie, das über weite Strecken von der Präsenz des Hauptcharakters getragen wird. Denn was Story, Dramaturgie und Action betrifft, bietet ´Hellboy´ trotz einigen witzigen Einfällen nicht viel neues.

Auf die Erwähnung von Karl Ruprect Kroenen, dem herrlich bösen Handlanger von Rasputin, möchte ich an dieser Stelle nicht verzichten. Einer, wie ich finde, der interessanteren Bösewichte in der jüngeren Kinogeschichte. Kroenen erinnert an die gute alte Zeit eines T-1000 oder eines Predators, als die Schurken einfach nur durchtrieben und gemein sein duften und nicht eine grauzonige Antithese zum ebenfalls gebrochenen Helden darstellen mussten.
Wer sich ´Hellboy´ anschauen sollte, wird jedoch feststellen, dass auch der Kern unter Kroenen´s harter Schale weich ist,… um nicht zu sagen matschig.

Collateral

CollateralEs gibt ja Hollywood-Schauspieler, die erklären jedem, den es interessiert (und auch allen anderen), wie sie sich bei der Rollenwahl bemühen, möglichst nicht in diese kleinen Besetzungsschachteln gesteckt zu werden. Wir Zuschauer sind natürlich jedes Mal erleichtert, wenn wir dieses Statement aus dem sprachfähigen Kopfloch eines Hollywood-Schauspielers hören. Solche Einblicke in die Abgründe einer Schauspielerseele sind ja meist unglaublich informativ, etwa wenn uns [beliebigen Schaupielernamen einfügen] erklärt, wie familiär doch die Atmosphäre beim Dreh von [passenden Filmtitel einfügen] war. Oder wenn uns Bruno Ganz im TV-Interview zum zehntausendsten Mal erklärt, wie er die Rolle des Hitlers nicht mehr ausschlagen konnte, nachdem seine Ähnlichkeit zum deutsch-österreichischen Austauschdiktator schon so offensichtlich zum Vorschein kam, als er nur Perücke und Waffenrock anprobiert hatte.

So ist es verständlich, dass auch ein Schauspieler von der Grösse,… oder besser vom Kaliber eines Tom Cruise’ zur Abwechslung mal einen ganz neue Art von Charakter spielen möchte. Nach ‚Collateral’ hat er nun schon ganze zwei Charaktere im Repertoire: Die des philosophierenden Killers und eben die des arroganten, kaltschnäuzigen Egomanen, der sich zum liebevollen Gutmenschen mausert. Mit dieser Cruise’schen Wandlung vom Saulus zum Paulus verdient Tom Cruise nun schon seit zwei Jahrzehnten seinen Lebensunterhalt.
Zu behaupten, Cruise’s Rollen in seinen vergangenen Filmen beschränkten sich auf den ewig gleichen Charakter in verschiedenen Variationen wäre natürlich falsch und übertrieben. Doch weit davon entfernt, ein eigenes Genre aus dem ganzen zu machen, ist der Star nicht mehr, denn die Mehrzahl seiner bekanntesten Rollen lassen mehr oder weniger tatsächlich auf das Cruise’sche Prinzip zurückführen: Legend, Top Gun, Rain Man, Days of Thunder, A Few Good Men, Jerry Maguire, Eyes Wide Shut, Magnolia, Vanilla Sky, The Last Samurai: Ein arrogant grinsender Erfolgsmensch fliegt bös auf die Schnauze, macht dann eine Weile ein etwas betroffenes, ernst dreinblickendes Gesicht, um am Ende als ganz neuer Mensch weiterzugrinsen.
So gesehen wurde Tom Cruise in ‚Collateral’ wirklich mal gegen den Strich besetzt. Vincent, der ebenso nette wie ergraute (dieses Wort gehört einfach in eine anständige ‚Collateral’-Kritik) Auftragskiller mit philosophischen Ambitionen ist zur Abwechslung mal eine Figur, die in Cruise’s Filmographie seinesgleichen sucht.
ABER: Offensichtlich spielt es überhaupt keine Rolle, ob Cruise nun einen Auftragskiller oder einen Geheimagenten oder sonst was spielt. Das Grinsen bleibt. Und mit dem Grinsen bleibt auch Tom Cruise immer derselbe. Das ist an sich ja an sich auch nicht so schlimm. Nur wird dadurch der Story, Dramaturgie und Glaubwürdigkeit von ‚Collateral’ nicht gerade ein Gefallen getan: Durch die Präsenz und Sympathie, die Cruise nun mal ausstrahlt, wird der Bad Guy Vincent zur Hauptidentifikationsfigur und verdrängt Max, seinen Antipoden. Damit gerät der Film, dessen Triebfeder wohl eben diese teuflisch-verführerische Freundlichkeit und die angedeutete unmögliche Freundschaft zwischen Täter und Opfer (Stockholm-Syndrom?) gewesen wäre, aus dem Gleichgewicht. Der Bösewicht ist einfach zu nett und Jamie Foxx als Max kann trotz seiner soliden schauspielerischen Leistung nichts daran ändern.
Zu Beginn wirkt ‚Collateral’ ohnehin wie ein Buddy-Movie, in den auch Mel Gibson und Danny Glover gepasst hätten. Wenn Vincent gegen Schluss endlich so richtig böse wird und auf Max losgeht, ist der Film leider schon fast vorbei und man fragt sich, ob die beiden denn nicht einfach wieder lieb miteinander sein können.
Collateral ist somit ein perfekt gestylter Thriller, der immer noch um Klassen besser ist als der üble Durchschnitt, der sonst in die Kinos gespühlt wird. Im unvermeidlichen Vergleich mit Michael Mann’s Meisterwerk ‚Heat’ schneidet er jedoch schlecht ab und man wünscht sich, die der ganze Film sässe so gut wie Tom Cruises Anzug.

The Village

The VillageIch bringe es mal hinter mich – dann ist es raus: ´The Village´ ist enttäuschen. ABER wie könnte es auch anders sein?
1999 wurde ich von ´The 6th Sense´ angefixt. Seither brauche ich den Stoff von M. Night Shyamalan. Und mit jedem Film will ich mehr – mehr Suspense, mehr dieser origniellen Einstellungen, mehr Überraschung am Ende. Leider ist in diesen Belangen ´The 6th Sense´ nun mal kaum zu überbieten und bereits ´Unbreakable´ und ´Signs´ schienen bei aller Qualität eben nur weitere Versionen des ursprünglichen Thriller-Konzepts von ´The 6th Sense´ zu sein. Mit ´The Village´ hat sich dieses Konzept etwas totgelaufen – vorläufig zumindest.
Eine objektive Beurteilung von ´The Village´ als eigenständiger Film ist daher kaum möglich.
Das dankbarste für M. Night Shyamalan wäre wahrscheinlich, wenn er sich ein Pseudonym zulegen würde. Dann wären der Druck und die Erwartungshaltung nicht so stark und die Qualität seiner Werke kämen wieder voll zur Geltung. Leider müsste er dann wahrscheinlich auch auf seine geliebten Gastauftritte verzichten.

Mit ´The Village´ beweist Shyamalan einmal mehr, dass er zu den begabtesten jungen Regisseuren Hollywoods gehört. Handwerklich und erzählerisch perfekt beschreibt er in ruhigen und darum umso spannenderen Bildern das ländliche Leben der Dörfler um Joaquin Pheonix, Adrien Brody und William Hurt. Wo David Fincher auf visuelle Gimmicks oder Michael Bay auf ultraschnelle Schnitte setzt, konzentriert sich Shyamalan einmal mehr auf die Kamera und die einzelnen Einstellungen. Hier spiegeln sich die Überraschungen, die ihn bekannt machten, im kleinen wieder und jede noch so alltägliche Einstellung kann zum Shocker werden. ´Getrickst´ wird dabei nur selten, etwa wenn der Meister sich traditionelle selber vor der Kamera zeigt. Dabei kombiniert er die einzelnen Elemente so virtuos, dass eine übertriebenen Nachbearbeitung mit Effekten oder schnellen Schnitten überflüssig wäre und gekünstelt wirken würde. Wahrscheinlich gehören seine Filme darum zu den wenigen Thrillern, die einen noch aus den Sitzen zu schrecken vermögen.

Ich wage nicht, mehr über den ´The Village´ zu erzählen, um niemandem die Überraschung zu verderben. Denn das gibt´s auch in diesem Shyamalan-Streifen: Die Überraschung am Schluss.

The Chronicles of Riddick

The Chronicles of RiddickEs scheint, als hätte man besser noch ein halbes Jahr mit der Herausgabe des neuen Dudens gewartet. Die semantischen Perlen, mit denen uns da ´Chronicles of Riddick´ beglückt, gehörten nun wirklich in jedes lexikalische Standardwerk: Es ist schon erstaunlich, in welchem Ernst die Hauptcharaktere, allen voran natürlich Testosteronglatze Vin Diesel, Wörter wie ´Nekromonger´, ´Crematoria´ oder ´General Marshal´ über die Lippen bringen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Diese ungewollte (?) Komik verleiht dem Film die nötige Leichtigkeit und einen gewissen Trash-Faktor, was den Film erträglich, ja irgendwie sogar charmant macht.
Obwohl die Story erwartungsgemäss simpel gestrickt ist, hatte ich beim besten Willen Mühe, die Absichten und Beweggründe der meisten Figuren nachzuvollziehen. Die Logik hätte man am besten sowieso an der Kinokasse abgegeben,… aber was erzähl ich, so was hat mich ja noch nie gestört.
Angesichts der prächtig-protzigen Ausstattung und dem phantasievollen Produktionsdesign war ich erst geblendet und dachte, dieser Film könnte tatsächlich ernst gemeint sein. Zuerst wähnte ich mich sogar in einer dieser unsäglichen ´Dune´-Sequel-TV-Produktionen, merkte dann aber schnell, dass dieser Streifen sich in völlig anderen Sphären des Unsinns bewegte. Dies ist nicht abwertend zu verstehen. Nachdem ich mich erst mal an den eigenwilligen Charaketer des Film gewöhnt hatte, wurde ich prima unterhalten. Immer gespannt, was für eine Figur oder welche Location wohl als nächstes meine Lachmuskeln provozieren würde.
Es ist einer dieser B-Movies, der im Kleid einer A-Produktion daherkommt. Und in solchen Filmen macht Vin Diesel halt schon eine gute Figur (wenn ich nur mal was verstehen würde, wenn er dann mal was brummelt).
Leider schafft es dieser Trash Bonus nicht, den Film über die 2. Hälfte des Filmes zu retten. Dann gerät er so aus dem Takt, dass das anfängliche Amusement leider der Langeweile weichen muss. Wenigsten wird das ganze mit einem angemessenen Schluss abgeschmeckt, so dass man gut gelaunt das Kino verlässt.

Zum Abschluss zwei Gründe, warum eigentlich jeder ´Chronicles of Riddick´ gesehen haben sollte:
1. Wann sieht man schon mal Judi Dench und Vin Diesel im selben Film?
2. Das Science Fiction Genre ist in den Kinos in letzter Zeit sowieso untervertreten. Da hilft ´Riddick´ doch, die Wartezeit auf ´Star Wars Epi III´ zu verkürzen. (Wenn ich´s mir recht überlege wäre ich erleichtert, wenn ´Revenge of the Sith´ nur annähernd so unterhaltsam wird wie ´Riddick´. Aber nach Epi I und II mache ich mich besser schon jetzt auf eine Enttäuschung bereit.)

Dawn of The Dead

Dawn of The DeadEs geschehen noch Zeichen und Wunder! Tatsächlich schaffte es dieser kompromisslose Splatterfilm in die Schweizer Kinos. Das hätte ich nun wirklich nicht für möglich gehalten. Darum war ich angenehm überrascht, als ich (spätestens nach dem Vorspann) begriff, dass dies nicht ein weiterer weichgespühlter Teenie-Horrorfilm war, sondern knallharte Splatter-Action der traditionellen Art. Die unvergleichliche, ausserordentlich gelungenen Mischung aus Metzgete und Humor überzeugt auf der ganzen Linie (wenn´s einem denn gefällt). Zwar besteht der Film praktisch nur aus aneinandergereihten Ekelszenen, verdichtet durch Spannungselemente und aufgelockert durch Humor und Fahrstuhlmusik, dies ist aber so konsequent und kompromisslos umgesetzt, dass es tatsächlich funktioniert und man zwar angewiedert, aber mit einem bitteren Grinsen und vor allem prächtig unterhalten, den Kinosaal verlässt.
´Dawn of the Dead´ ist sicher Geschmackssache, wenn man in diesem Fall von Geschmack reden will, wer sich aber in von solchen Filmen nicht allzu sehr abgestossen fühlt, sollte den Film nicht verpassen.