Syriana

SyrianaClooney for President

Dschordsch Kluni, alter Schwede! Im ernst, der Mann kommt mir immer mehr wie einer unserer nördlichen Nachbarn vor: Die ganze Welt liebt ihn, niemand mag ihm was böses, Frauen wollen ihn, Männer wollen sein wie er, jedermann würde ihm ohne mit der Wimper zu zucken ein schlechtes Möbelstück abkaufen und selbst gegen einen zukünftigen Vizepräsidenten Jon Stewart neben seinem neuen Vorgesetzten George Clooney hätte man nichts einzuwenden. Sein Kabinett wäre nicht minder gut aussehend und setzte sich aus Julia Roberts, Matt Damon, Steven Soderbergh, Grant Heslov und vielleicht Brad Pitt, wenn ihn die Jolie mal zum Spielen rauslässt, zusammen.
Und wie Schweden gegenüber Finnland hat auch Clooney einen nicht zu unterschätzenden Vorteil gegenüber anderen Künstlern wie,… nun sagen wir mal Salman Rushdie: Er hat der islamischen nämlich bis anhin keinen Grund gegeben, ihn umzubringen. Ausser vielleicht den einen, wofür ihn die westliche und östliche Welt gleichermassen hassen dürften: ‘Batman & Robin‘. Aber wie er in seiner Oscarrede erneut unter beweis stellte, ist er immer noch im Begriff diesen Missgeschick zu verarbeiten. (und unlängst bemerkte er auf die Frage, ob er nicht auch mal einen Schwulen spielen würde, dass er dies in ‘Batman & Robin’ doch schon getan hätte, das Kostüm hätte schliesslich Nippel gehabt.) Man sieht, der Mann ist um Katharsis bemüht und man sollte ihm diesen Versehen nicht länger nachtragen (Wenn nötig, kann man ja noch auf anderen Jugendsünden herumreiten. Stichwort: Tomaten).
Auch ‘Syriana’ wird wohl Kluni’s Höhenflug keinen Abbruch tun. Momentan würde er sich wohl sowieso eher in Guantanamo Bay als in einer arabischen Folterkammer wieder finden. Obwohl Kluni in ‘Syriana’ zwar ‘nur’ Nebendarsteller und Executive Producer war ist es unübersehbar, dass in letzter Zeit überall ein wenig Kluni drinsteckt wo Bush-Kritik draufsteht.

Und auch in ‘Syriana’ wird uns vor allem eines klar gemacht: Korruption und Gier sind keine Frage der Religion und Geld, Macht und Recht stehen auf der Seite derer, die vor allem drei Dinge für sich beanspruchen können: Geld, Macht und genügend Anwälte. Wer dann noch die Richtigen Leute kennt und nicht allzu zimperlich mit dehnbaren Begriffen wie Freund und Feind, Loyalität oder Gerechtigkeit ist, kann es weit bringen. Holla, es wird ja beinahe politisch heute.
Bevor George Bush eine Flotte Tarnkappenbomber auf meinen Server loslässt, wechsle ich schnell zu unverfänglicheren Statements über die filmischen Qualitäten von ‘Syriana’:
Das beste zu Beginn: Der Film glänzt vor allem durch seinen sauberen Soderbergh-Look (Er war ja schliesslich einer der anderen Executive Producers bei ‘Syriana’) und seine Darsteller: Nebst dem nun verdientermassen Oscar-geschmückten George Clooney, glänzen vor allem Alexander Siddig, Amanda Peet, Christopher Plummer und Chris Cooper, um den man in letzter Zeit sowieso nicht herumkommt. Auch Matt Damon darf wieder mitmachen, bleibt aber bis auf weiteres bei seiner bewährten “Matt Damon is Jason Boring” Nummer.

Die erwarteten Verständnisprobleme aufgrund eines angeblich zu verzwickten Plots blieben glücklicherweise aus, wenn man sich ein wenig konzentrierte. Da konnte man sich schon mal ein Nickerchen zwischendurch leisten, denn wahnsinnig spannend ist der Film nicht, obwohl er eine gewisse Angespanntheit etablieren kann. Empfehlen kann ich ihn allemal. Auch wenn nicht immer gleich alles zum absoluten Meisterwerk wird, wo Soderbergh und Clooney (oder ihre Produktionsgesellschaft Section Eight Productions) zum Zuge kommen, sehenswert waren die Resulatate bis anhin zumindest immer. Freuen wir uns auf ‘The good German‘ (2006), ‘Ocean’s Thirtheen‘ (2007), ‘Michael Clayton‘ (2006), ‘A Scanner Darkly‘ (2006). Und wer nicht so lange warten kann, sollte sich bei Gelegenheit mal ‘Waiting for Woody‘ aus dem Jahre 1998 anschauen. Unter der Regie von Grant Heslov macht Kluni das, was er eigentlich immer macht und auch am besten kann, er spielt sich selbst.

Archives | First published Mar 11, 2006

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