The Chronicles of Narnia

The Chronicles of Narnia“Wenn einem so viel Mist widerfährt – das ist schon einen Aslan Uralt wert”

Die Frage stand ja im Raum, seit die ganze ‘Chronicles of Narnia’ Marketing-Maschinerie diesen Sommer erstmals so richtig in die Gänge kam: Sollte Peter Jackson’s meisterhafte Fantasy Trilogie ‘Lord of the Rings’ den Rang als beste Fantasy-Verfilmung abgeben müssen? Die Antwort ist ganz klar ja; ist ja nur eine Frage der Zeit. Doch sicher nicht in näherer Zukunft, Denn die chronisch enttäuschende, überlange Geschichte über vier quengelnde, unsympathische Balgen, die wohl etwas zu sehr an den Mottenkugeln im Kleiderschrank eines fragwürdigen Professors schnüffelten, schneidet im unvermeidbaren vergleich mit der Tolkien Saga doch sehr, sehr enttäuschend ab.

Da denkt man noch, zumindest tricktechnisch habe sich trotz Ausreizung der technischen Möglichkeiten und Saturation (uhhhhh, schönes Wort) des Publikums sicher noch ein bisschen etwas getan, doch im nächsten Moment muss man staunend feststellen, dass es auch gegen Ende 2005 noch möglich ist, so miese Bluescreen-Aufnahmen zu verbrechen, dass man sich an die Rückprojektionen aus ‘Moby Dick’ erinnert wähnt. Was eigentlich schade ist, denn die Tricks an sich wären solide gemacht (ja, ja die CGI Mähne von Aslan ist technisch wirklich vom feinsten), nur haperte es wohl etwas beim Mischen mit den leidlichen Realbildern.
Aber was schreib ich, auch das hätte den Film nicht auf die Stufe der absoluten Mittelmässigkeit katapultieren können.
Dem Film fehlt’s anderswo: Da wären z.B. die nicht vorhandenen Identifikationsfiguren: Ich hatte so gar keine Lust, mich mit einem rechthaberischen, arroganten Streber oder mit einem feigen Weichei zu identifizieren, geschweige denn mit einer der Schwestern, von denen noch nicht mal eine durch Jessica Alba verkörpert wird. Da war mir der Bieber… lieber. Denn das ebenso geschwätzige wie verliebte Bieberpärchen rettet den Film durch einige wirklich witzige Einlagen vor dem absoluten Niedergang. Hoffentlich merken das auch die Produzenten und ringen sich in Sachen unvermeidliche Fortsetzungen dazu durch, nur noch besagte Bieber gegen die Eiskönigin (Tilda Swinton in der Rolle des einzig anderen erträglichen Elements im Film) antreten zu lassen. Na gut, Liam Neeson (Gesundheit!) dürfte auch noch was dazu sagen, wenn er will, so eine Stimme macht sich eben immer gut, obwohl mir seine beeindruckende Intonisation von Aslan eher wie ein Echo aus einem wirklich guten Film vorkam, was in ‘Narnia’ so gar nichts zu suchen hatte.

Zugegebenermassen ging ich schon mit einem schlechten Gefühl in den Film, zu viel hatte den Streifen im Vorfeld wie einen schlechten Abklatsch von ‘Lord of the Rings’ aussehen lassen. Ironisch und zugleich traurig, dass im fertigen Film so gar nichts mehr ernsthaft an die Tolkien Trilogie erinnern mag. Ausser, dass einen ab und zu das Gefühl beschleicht, in Neuseeland seien die verkleideten Statisten damals bei den Dreharbeiten in zwei Gruppen eingeteilt worden. Wobei die glücklicheren Elben und Orks als Extras in die Filmgeschichte eingehen während die Minotauren und Zyklopen aus ‘Narnia’ als Loser ein Plätzchen im kollektiven Filmunterbewusstsein gleich neben JarJar Binks finden. Und wirklich: Zwei riesige Armeen stehen sich in einer epischen Schlacht gegenüber…! Das gabs ja nun wirklich noch nie, ich war ja sooooooo gespannt, was nun wohl passiert. (Die letzten zwei Sätze wurden von der nidwirkli.ch Qualitätssicherung als ironisch klassifiziert.)

Vielleicht liest es der eine oder andere zwischen den Zeilen: ‘The Chronicles of Narnia’ gefiel mir nicht wirklich. Und die Tatsache, dass dieser wiederliche Oompa Loompa aus Charlie’s Chocolate Factory auch in diesem Film wieder herumnervte, stimmte mich auch nicht gerade wohlgesinnter. Darum habe ich auch gar keine Lust, mich differenziert mit dem Streifen auseinanderzusetzen. Alle kinderlosen Pärchen können diese Weihnacht zur Abwechslung mal froh sein, dass sie von keinem Nachwuchs in einen grenzenlos überbewerteten Film gezogen werden. Denn wer in dieser kalten Jahreszeit richtig Lust auf einen guten Fantasystreifen hat, der schaut sich besser erst mal alle vier ‘Harry Potter’ Filme an, bevor er sich einmal diesen in die Länge gezogene TV-Film antut. Um sich die Stunden bis zur Bescherung zu verkürzen, mag ‘The Chronicles of Narnia’ ja genügen, aber bitte verschont das Kino mit solchen belanglosen Kinkerlitzchen.

Archives | First published Dec 8, 2005

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