The Day After Tomorrow

The Day After TomorrowDa sollte sich Wolfgang Petersen warm anziehen. Was sein Landsmann Roland Emmerich mit ‘The Day After Tomorrow’ (TDAT) präsentiert, übertrifft den lahmen Sandalenschinken ‘Troy’ in allen Punkten bei weitem. Sicher, man könnte dem Film Prädikate wie “anspruchslos”, “unrealistisch” “pathetisch” oder “kommerzieller Mainstream” anhaften… und man würde voll in’s Schwarze Treffen. Nichtsdestotrotz erfüllt TDAT voll und ganz meine (hohen) Erwartungen und übertrifft sie sogar. Ich bin erleichtert.
Was die filmischen Stilmittel Inszenierung, Schnitt und Musik betrifft, habe ich in diesem Genre seit längerem keinen so perfekt inszenierten und kohärenten Film mehr gesehen. (‘The Lord of the Rings’ ist eine Klasse für sich). Schauspielerisch wird der Film voll und ganz von Dennis Quaid (wieder so einer der mit dem Alter immer besser zu werden scheint) und Jake Gyllenhaal getragen. Die beiden sorgen dafür, dass in der ganzen grandiosen CGI-Verwüstung der Film auch erzählerisch und dramaturgisch funktioniert. Vor allem erhält man als Zuschauer endlich wieder einmal ein paar klare Identifikationsfiguren, nicht so wie im Protagonisten-Müesli ‘Troy’. Roland Emmerich, bekanntlich primär der Mann fürs Grobe, schafft es innert weniger Minuten, sämtliche Hauptcharaktere einzuführen und zu etablieren. (Etwas, was in ‘Troy’ trotz einer Filmlänge von fast 3 Stunden nicht gelang). Und Wenn ich schon dabei bin, Wolfgang Petersen ans Bein zu pinkeln: Was hat der gute Mann mit dem Budget von angeblich 180 Millionen Dollar gemacht? Betrachtet man, was Emmerich mit etwa 125 Millionen auf die Leinwand gebracht hat, erstaunt es schon, wo in ‘Troy’ das Geld hingeflossen ist: Hektoliterweise Körperöl? Ein Echtholz-Mahagonipferd? Oder waren die ach so revolutionären Special Effects etwa überteuert?
A propos Effekte: in TDAT wurden die visuellen Effekte wieder einmal mit der ganz grossen Kelle angerührt doch das ganze bleibt dank der geschickten Erzählweise, stimmigem Tempo und Rhythmus und der erwähnten schauspielerischen Leistung immer Mittel zum Zweck und wird nie zu einem zusätzlichen Hauptdarsteller des Films. Angesichts dieser Massen von Effekten hat da jemand ein wirklich gutes Händchen gehabt, als der Film arrangiert wurde.
‘The Day After Tomorrow’ hat mir so gut gefallen, dass ich sogar über etwas Kitsch und Pathos am Ende hinwegsehe. (Ja ich wäre sogar enttäuscht, wenn’s gefehlt hätte).

Obwohl die Diskussion um die Realitätsnähe des Filmes in vollem Gange ist und Roland Emmerich zum Sprachrohr Kyotos gemach wird, scheint mir, dass der clevere Schwabe nur wieder nach einer unverfänglichen Motiv gesucht hat, erneut einen Desasterfilm zu drehen. Den Aliens in ‘Independence Day’ wurde in die Rübe geschossen und das Publikum klatschte, der WWF schwieg, als Godzilla gejagt wurde und nun das Wetter als Bedrohung. Da kann man ja einfach keine moralischen Bedenken anbringen. Das ist sicher einfacher als einen Film über, sagen wir mal den elften September in die Kinos zu bringen.
Eine Warnung zum Schluss: Wer ‘Independence Day’ nicht mochte, der sollte auch TDAT meiden. Denn was das dramaturgische Grundgerüst und den Rhythmus betrifft, sind die beiden Filme praktisch identisch.

Mit ‘The Day After Tomorrow’ bietet das ganze Programm: Action, Drama, Humor und sogar einige kritische Seitenhiebe. Also alles, was ein Film braucht. Popcorn-Kino at it’s best! Der Kinosommer kann kommen!

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