The Island

The IslandJetzt mit noch mehr Ewan! Hurrraaa!

Niemand hat wohl das Hollywood-Kaboom-Action-Kino der 80 und 90 Jahre so wegweisend beeinflusst wie das explosive Produzentenduo Jerry Bruckheimer und Don Simpson. Knaller wie ´Beverly Hills Cop´, ´The Rock´, ´Top Gun´, ´Days of Thunder´, ´Bad Boys´ oder ´Crimson Tide´ entstanden unter den Fuchteln dieser zwei furiosen Actionvirtuosen. Über Anspruch moralischen Wert dieser Knaller lässt sich streiten (aber bitte nicht mit mir), der Einfluss der unverkennbaren Bildsprache und -Dynamik ist jedoch bis heute in Kino, Werbung und Videospielen wieder zu finden. Kein Wunder, wählten die beiden doch des Öfteren erfahrene Werbefilmer als Regisseure ihres Vertrauens. So auch Michael Bay, der für einige der wohl besten und spektakulärsten Streifen der Bay/Bruckheimer Universums verantwortlich ist (´The Rock´, ´Armageddon´, ´Bad Boys I + II´, ´Pearl Harbor´). Unter seiner Federführung wurde immer wieder ein funktionierendes Gleichgewicht aus Action, Pathos, Musik, F/X, Score, Schwindel-erregenden Schnitten und Kamerafahrten und ebenso soliden wie süffigem schauspielerischem Tuns gefunden, was die meist doch eher seichten Themen und Geschichten erst zum üppigen Entertainment-Genuss machte und so vermögen diese Kracher bis heute zu fesseln und zu unterhalten.

Als Don Simpson 1996 nach ´The Rock´ endgültig Schnee von gestern geworden war, die Filme von Bruckheimer jedoch nichts an Dynamik, Virtuosität und vor allem Action einbüssten, war man schnell versucht, den Geschichten zu glauben, dass das ´Work´ im Teamwork von Bruckheimer und Simpson wohl doch eher Bruckheimer zuzuschreiben war als dem als hedonistisch geltenden Don Simpson. Die Bruckheimer Filme der ´neuen´ Generation schienen im Gegenteil noch an Drive und an Geschwindigkeit gewonnen zu haben. Dramaturgisch leistet sich der Meister zwar immer wieder den einen oder anderen Patzer und nicht selten enttäuschen die ganz gross angekündigten Knüller, man denke nur an ´Gone in 60 Seconds´, oder die unsäglichen ´King Arthur´ und ´National Treasure´ (Dessen Fortsetzung auch immer mehr Gestalt annimmt, warum auch immer).

Nun lässt ´The Island´ das kreative Verhältnis von Bruckheimer und Bay in etwas neuem Licht erscheinen. Mit diesem Sci-Fi Thriller kann Michael Bay endlich beweisen, was er ohne seinen ´Patenonkel´ Bruckheimer hinkriegt. Das Resultat beeindruckt abgesehen von einigen wenigen Längen voll und ganz. ´The Island´ ist ein Actionkracher, den ich bis anhin als typischen Bruckheimer Film bezeichnet hätte; das ganze Programm samt Steve Buscemi, tollem Soundtrack, Effekten, schönen Bilder, Zeitlupen und dynamischen Kamerafahrten… nur eben ohne Bruckheimer.
Sollte ich bis anhin die Lorbeeren fälschlicherweise dem Produzenten anstelle des Regisseurs Bay zugeschrieben haben, oder hatte Bruckheimer einen solch immensen Einfluss auf Bay, dass die Unterschiede zu dessen Filmen in Stil und Tempo nur marginal erscheinen? Es wird sich zeigen, ob Bay auch unter Dreamworks und Spielberg als Executive Producer so konstant Unterhaltung in bester Qualität abliefern kann (´Transformers´). Ich hoffe es, denn ´The Island´ stellt sich der bis jetzt beste Popcornmovie dieses Kinosommers vor und lässt Hoffnungsträger wie ´War of the Worlds´ und ´Fantastic Four´ hinter sich.
Bay´s ´Erstling´ kommt auf der ganzen Linie gelungen daher. Handwerklich wie immer top, setzt der Meister mit dem feinen Gespür fürs Grobe wie so oft auf alte Bekannte wie Steve Buscemi (Peter Stormare konnte wohl grade nicht), Shawnee Smith oder Michael Clark Duncan sowie den unvergleichlichen Ewan McGregor, den man gar nicht genug lobhudeln kann und die ebenso wunderbare Scarlett Johansson, von der sich noch viele Kolleginnen eine Scheibe abschneiden könnten. Ewan McGregor singt zwar leider nicht, dafür kommt er gleich doppelt vor, und einer ist besser als der andere; der Mann scheint einfach Spass an seinem Job zu haben,… einfach herrlich. Ein routinierter Sean Bean, der überzeugende Djimon Hounsou und ein mehr als gelungener Score (bei dem wiederum der Einfluss von Hans Zimmer unüberhörbar ist) und zudem das frechste und zudem cleverste Product Placement seit langem vervollständigen das Ganze und machen ´The Island´ zu DEM Kinospass des Sommers.

Zwar habe ich irgendwie das Gefühl, dass man ´The Island´ zu unrecht so schnell wieder vergessen haben wird wie die kritischen Ansätze zur Stammzellenforschung, die am Rande von ´The Island´ gemacht werden, der Streifen ist und bleibt jedoch ein Leckerbissen für alle Fans des Popcorn Kinos und sei allen Anhänger der ganzen Dogmafilmerei ans Herz gelegt, denn hier erlebt man einmal mehr, wie ein Film auszusehen hat, und dass man fürs gleiche Geld auch mehr kriegen kann als eine vermieste Stimmung und verwackelte Bilder.

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